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kurzzeitig ebenfalls Spannianerwar,wurdenebender Erörterung vonSpanns
Universalismus insbesondere gegen denMarxismusmobil gemacht108. Außer-
dem bemühte sich der Spann-Kreis, seinen Theorien praktische politische
GeltungzuverschaffenundpflegteKontaktesowohlmitderNSDAPalsauchmit
derChristlichsozialenParteiundderHeimwehr.ImSommer1929wurdeWalter
Heinrich Generalsekretär der Bundesführung des Österreichischen Heimat-
schutzes, imOktober desselben Jahres übernahmHansRiehl die Leitung der
PropagandaabteilungderSelbstschutzverbände.109
ChristianFleckweistmitBlickaufSpannundseineSchülerdaraufhin,dass
im akademischen Schulenstreit jener Jahre (Spann vs. Kelsen, Adler etc.)
»[i]nstitutionell siegreich Othmar Spann [war], der mehr als einem halben
Dutzend seiner Schüler denWeg zu akademischenPositionen ebnete. Der so-
ziologischenNachwelthabendiesewenigmehrhinterlassenalseinevoluminöse
EditiondesGesamtwerks ihresMeisters«.110
5. Geist-Kreis
Der Geist-Kreis war von den Studienkollegen Joseph Herbert Fürth (Dr.
iur. 1921)undFriedrichAugustHayek(JDr. 1921,Dr. rer.pol. 1923)gegründet
worden, die ursprünglich auch Teilnehmer in Othmar Spanns Privatseminar
gewesen waren. Sie hatten denMeister aber wohl zu heftig kritisiert, sodass
diesersieauszuschließenversuchte.UmdemRauswurfzuvorzukommen,riefen
sie imHerbst 1921denGeist-Kreis insLeben, der »bald alsAuffangbecken für
universitäreAußenseiter [fungierte], die, abgesehenvonwenigenAusnahmen
wie z.B. ErichVoegelin, der als Assistent der Lehrkanzel für Staats- undVer-
waltungsrechtuniversitärsystemisiertwar,außeruniversitärenBeschäftigungen
nachgingen«111.
ErichVögelinerzähltüberdieZusammenkünfte:»EswareineGruppejunger
Leute, die sich regelmäßig einmal imMonat traf. Diese Treffen verliefen fol-
gendermaßen:EinervonihnenhielteinenVortragübereinThemaeigenerWahl
unddie anderennahmen ihn anschließend auseinander.Daman sich als zivi-
lisierte Gesellschaft verstand, galt die Regel, daßGastgeber und Referent des
jeweiligen Treffens nicht ein und dieselbe Person sein durften. Dies, weil die
Hausherrin anwesend sein durfte (sonst waren Frauen nicht zugelassen).
Schließlichwäreesnichthöflichgewesen,einenGentlemaninGegenwartseiner
108 Vgl.OskarMorgenstern, zit.n.Craver, Emigration10.
109 Vgl. Siegfried,Universalismus84.
110 Fleck,AlfredSchütz 112.
111 Feichtinger,Wissenschaft zwischendenKulturen331.
Extramuros:Vereine,Gesellschaften,KreisundVolksbildung740
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik