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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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Als eine »Wiederentdeckung«muss das hier erstmals dargestellte, nahezu völlig in Vergessenheit geratene Ergänzungscurriculum der Staatsverrech- nungswissenschaft bezeichnet werden, das von der Fakultät angebotenwurde und eineAusbildung in Finanzgebarung, Staatsbuchführung undRechnungs- kontrolle enthielt. Es kann als Vorläufer des heute im Rahmen von wirt- schaftswissenschaftlichen Studien gelehrten Faches »Rechnungswesen« ange- sehenwerden. *** Die Fakultät war in hohemMaße von der politischen Entwicklung der Zwi- schenkriegszeit betroffen. So erarbeiteten die Professoren Hans Mayer, Leo Strisower, AlfredVerdroß, HansVoltelini und FriedrichWieser unter Leitung vonHans Sperl in den Jahren 1926/27 ein gemeinsamesGutachten zu vermö- gensrechtlichenFragen,die ausdemVertragvonSt.Germain resultierten,und arbeiteten hier direkt im Auftrag der österreichischen Bundesregierung, die aufgrund des Fakultätsgutachtens ihre Schulden gegenüber den anderenVer- tragspartnern um fast vier Milliarden Kronen reduzieren konnte. Geradezu entgegengesetzt verhielt es sichdagegen1933, als auf Initiativedes reichsdeut- schen NS-Juristen Norbert Gürke dieWiener Professoren Ernst Schönbauer, MaxLayer,AdolfMerkl,WenzelGleispach,KarlG.Hugelmannundfünfweitere österreichische Juristen gemeinsamundöffentlich gegenden autoritärenKurs derBundesregierungauftraten, indemsie inwissenschaftlichenArtikeln,die in der reichsdeutschen Zeitschrift »Verwaltungsarchiv« publiziert wurden, ent- wederdieRechtswidrigkeit oderdochzumindestProblematikdesRegierungs- handelns detailliert darlegten.Wie bereits oben erwähnt, hatte dies für Layer und Gleispach unmittelbar, für Hugelmann mittelbar die Versetzung in den RuhestandzurFolge. AlspolitischesWirkenmussaberauchdieAusrichtungderFachtagungenvon 1928 angesehenwerden: Am 23./24.April tagte inWien die Vereinigung der DeutschenStaatsrechtslehrer, vom12.–14.September fand inSalzburgder35. Deutsche Juristentag statt, undvom27.–29.Oktober traf sichdieVereinigung deutscherZivilprozessrechtler inWien.WaresbeiderStaatsrechtslehrertagung noch (lediglich) der – von der Großdeutschen Partei stammende – Justizmi- nister FranzDinghofer, der in seiner Rede denUmstand angesprochen hatte, »daßOesterreich undDeutschland in kultureller Beziehung eine untrennbare Einheitbilden«,sowarbeiderProzessrechtstagungdieRechtsvereinheitlichung zwischenÖsterreich und Deutschland unmittelbares Diskussionsthema. Der Plan,Österreichmöge das deutscheBGB einführen,Deutschlanddagegendie österreichischeZPO,wurdeaufdergenanntenTagungzwarverworfen,waraber zujenerZeitTagesgesprächundsollteseineKrönungimgemeinsamendeutsch- ZusammenfassungundSchlussbetrachtung 759
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Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Title
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
Authors
Thomas Olechowski
Tamara Ehs
Kamila Staudigl-Ciechowicz
Publisher
V&R unipress GmbH
Date
2014
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-89971-985-7
Size
15.5 x 23.2 cm
Pages
838
Category
Recht und Politik
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Library
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