Page - 761 - in Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
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durch das Hochschulerziehungsgesetz eingeführten Sommerhochschullager
abgehalten, in denen die Studierenden nicht nur vormilitärisch erzogen, son-
dernauch in»österreichischemGemeinschaftsgefühl«geübtwurden.
Das zugleich mit demHochschulerziehungsgesetz erlassene Hochschuler-
mächtigungsgesetz gab die rechtliche Grundlage für die neue juristische Stu-
dienordnungab,die1935 inKraft tratund insbesondere eineAusdehnungder
Studienzeit von acht auf neun Semester, gegliedert in drei gleich lange Studi-
enabschnitte,mitsichbrachte.Damitkonntendieöffentlich-rechtlichenFächer
auf etwadendoppeltenUmfang aufgewertetwerden,währenddie rechtshisto-
rischenFächernurmoderatgekürztwurden.DerFächerkanonwurdeerweitert
und sowohl juristische (Völkerrecht, Sozialrecht) wie auch nichtjuristische
Gegenstände (Gesellschaftslehre, Sozialpolitik,Kriminologieu.a.)wurdenneu
indasStudiumaufgenommen.DieIdeologiedesStändestaateswurde–außerin
denvorhinerwähntenLehrveranstaltungenzur»staatsbürgerlichenErziehung«
– vor allem in der ausdrücklichenVerankerung der christlichen Rechtsphilo-
sophie imLehrplan deutlich. Nachdem in derNS-Zeit ein völlig neues Curri-
culumetabliertwordenwar,kehrtedieRechtswissenschaftlicheStudienordnung
1945 – abgesehenvon einerRückführung der Studiendauer auf acht Semester
und Beseitigung der genannten ideologischen Komponenten – ohne große
VeränderungenzudenLeitlinienderStudienordnung1935zurückundbliebso
bis 1981 inGeltung.
***
Vonden 15 ordentlichenund vier außerordentlichen Professoren, die imStu-
dienjahr 1937/38 anderWienerRechts- undStaatswissenschaftlichenFakultät
lehrten, hatten zwölf Jahre später, imStudienjahr 1949/50, lediglich fünf diese
Positionnochimmer(HansMayer,AlfredVerdroß)bzw.wiederuminne(Adolf
J.Merkl, LudwigAdamovich sen., FerdinandDegenfeld-Schonburg); einEme-
ritus(RudolfKöstler)wirktealsHonorarprofessorweiteranderFakultät;einao.
Professor (WilhelmWinkler) war zum o. Professor aufgerückt. Die anderen
zwölf Professoren, alsomehralsdieHälfte desFakultätskollegiums,warenaus
AltersgründenoderauspolitischenGründenindenRuhestandversetztworden,
eines natürlichen Todes gestorben oder vom NS-Regime ermordet worden.
Noch stärkermachten sich die beidenZäsuren (die größere von 1938unddie
kleinerevon1945)beidenbeidenHonorarprofessoren, den52Privatdozenten
und den beiden Honorardozenten bemerkbar, die 1937/38 an der Fakultät
lehrten:Vondiesenwarendrei (HansSchima,RolandGraßberger,WillibaldM.
Plöchl) zu o.Professoren, einer (August M. Knoll) zum ao. Professor aufge-
stiegen; zwölf (Alexander G
l, Franz Leifer, Karl Schmidt [nunmehr Charles
Smith], Julius Bombiero, Wilhelm Neidl, Walter Heinrich, Alexander Mahr,
ZusammenfassungundSchlussbetrachtung 761
Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Title
- Die Wiener Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät 1918–1938
- Authors
- Thomas Olechowski
- Tamara Ehs
- Kamila Staudigl-Ciechowicz
- Publisher
- V&R unipress GmbH
- Date
- 2014
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-89971-985-7
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 838
- Category
- Recht und Politik