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125Die
„Invalidenschulaktion“
– Administration, Einrichtungen, Partner
stammten – was eher die Regel war – aus dem Lehrkörper der jeweiligen Schulen ;
sie übernahmen dann den Invalidenunterricht zusätzlich zu ihren übrigen Pflichten
und ohne separate Entlohnung.73 Vereinzelt wurden Kriegsbeschädigte auch bei aus-
gewählten und vom Ministerium für öffentliche Arbeiten überwachten privaten Be-
trieben74 zur Schulung untergebracht. In Oberösterreich etwa erhielten im Jahr 1917
knapp 15 % der gewerblich geschulten Kriegsbeschädigten ihre Ausbildung direkt in
einem Betrieb,75 in Niederösterreich waren es 10 %.76
Ein besonders breites und differenziertes Schulungsangebot gab es für Kriegsbe-
schädigte in Wien. Bestimmte Kurse – wie etwa die Buchdrucker- oder die Post- und
Telegrafenlehrgänge
– wurden nur hier angeboten.77 Neben der Wiener Invalidenschule
und den zahllosen Lehrwerkstätten des Reservespitals Nr. 11 standen in der Hauptstadt
insgesamt noch acht Regelschulen für die gewerbliche Ausbildung der Kriegsbeschä-
digten zur Verfügung.78 Den kaufmännischen Unterricht, für den das Unterrichtsmi-
Unterricht vom Militärdienst enthobene Lehrer selbst zu entlohnen. Ein Beispiel aus der Invaliden-
schule Krakau : AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 12031/1918.
73 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S. 268.
74 K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S. 130.
75 Staatsamt für soziale Verwaltung, Mitteilungen, 1918, S. 369. Zur Unterbringung bei Handwerksmeis-
tern auch K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S. 270.
76 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 11941/1918, S. 24.
77 Nach Böhmen und Galizien zuständige Kriegsbeschädigte konnten als einzige auch in ihren Heimat-
ländern im Buchdruckergewerbe geschult werden ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916,
S.
118. Die Post- und Telegrafenlehrgänge fanden nur im Reservespital Nr. 11 statt ; Interessierte wurden
dorthin transferiert ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S. 303.
78 Einen guten Überblick über die in Niederösterreich bestehenden Invalidenschulen gibt ein Akt des
Kriegsministeriums : AT-OeStA/KA, M.A. 18-19/53, Ausgabe einer Zusammenstellung der Invaliden-
schulen in NÖ, abgedruckt in : Lang, Schleierbaracken, S. 17–21. Dieser Zusammenstellung sind fol-
gende Adressenangaben entnommen :
– Kriegsinvalidenschule : Wien IX, Michelbeuerngasse 8
– Staatsgewerbeschule : Wien I, Schellinggasse 13
– Staatsgewerbeschule chemisch-technischer Richtung : Wien XVII, Rosensteingasse 79
– Staatsgewerbeschule : Wien XXI, Schloßhoferstraße 8
– Graphische Lehr- und Versuchsanstalt : Wien VII, Westbahnstraße 25
– Lehr- und Versuchsanstalt für Korbflechterei u. verwandte Flechttechniken : Wien XVIII, Währinger
Straße 194
– Technologische Gewerbemuseum : Wien IX, Währingerstraße 59
– Lehrmittelbüro für gewerbliche Unterrichtsanstalten in Wien : Wien XIX, Billrothstraße 28–30
– Höhere Fachschule für das Gastwirte-, Hotel- und Kaffeesiedergewerbe : Wien I, Kurrentgasse 5
In anderen Aufzählungen sind noch das Gewerbeförderungsamt und die Fachschule für Textilindustrie
in Wien VI genannt ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 11941/1918, S. 20–24 ; K.k. Ministerium
des Innern, Mitteilungen, 1916, S. 184.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Die Wundes des Staates
- Subtitle
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Authors
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 586
- Categories
- Geschichte Nach 1918