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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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134 Invalidenschulung den.133 Besonders hoch war der Prozentsatz der Umschulungen jedoch in Galizien, wo er bei 93 % lag und wo die meisten Kriegsbeschädigten tatsächlich von einem landwirtschaftlichen zu einem gewerblichen Beruf wechselten. Den Verantwortli- chen war dies „nicht sympathisch“,134 auch weil es in Galizien dadurch am häufigsten zu einer Überschreitung der Einjahresfrist bei der Nachbehandlung und Schulung kam,135 doch sie versuchten, dieses den Prinzipien der Invalidenschulaktion eindeutig zuwider laufende Faktum durch den Verweis auf den hohen Bedarf an Gewerbetrei- benden in diesem Kronland zu entkräften.136 Gleichsam im Gegenzug kam es aber zu einer Umkehr des Grundsatzes der Berufsbeibehaltung, wenn es darum ging, der Landwirtschaft Arbeitskräfte zuzuführen : Wenn zuvor etwa in der Industrie tätig gewesene Kriegsbeschädigte auf landwirtschaftliche Berufe umgeschult wurden, galt dies als begrüßenswert. Jenseits ihrer Bedeutung für den einzelnen hatte die Invali- denschulung dann auch eine allgemein-gesellschaftliche Funktion : Als Maßnahme gegen die Landflucht sollte sie die entsprechend geschulten Kriegsbeschädigten an die heimatliche Scholle binden137 und die Produktion des Bodens138 steigern helfen. Bienenzuchtkurse für Kriegsbeschädigte wurden etwa mit dem Hinweis angepriesen, dass sie auch der „Hebung und Verbreitung der Bienenzucht“139 dienen würden, und die Tiroler Landeskommission entwickelte in ihrer Sorge über den Rückgang des Bauernstandes ein eigenes Modell für „Handwerker, industrielle wie gewerbliche Ar- beiter, ja zum Teil auch Schreiber, die die volle Erwerbsfähigkeit für ihren bisherigen Beruf vermutlich nicht mehr erlangen werden“ : „Bei entsprechender Schulung, entwickeltem Heimatsgefühl und Liebe zur Scholle könnten solche sehr bald zu gesunden Kleinbauern erzogen werden, und in jeder Hinsicht vollwertig ihrem neuen Berufsstande sich eingliedern. Ja bei entsprechender rationeller Schulung könn- ten sie unseren konservativ und über aus extensiv wirtschaftenden Gebirgsbauern als Träger rationeller intensiver Wirtschaft, sagen wir als Musterbauern sich zugesellen.“140 133 Errechnet aus einer Statistik für das 2. Halbjahr 1917 ; ebd., Kt. 1365, 5920/1919. Höherqualifizierung in der eigenen Berufsbranche galt nicht als Umschulung. 134 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  264. 135 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1362, 17609/1918. 136 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  264. 137 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  81f. 138 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.  275. 139 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  91. 140 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1362, 17402/1918, LK Innsbruck an MfsF v. 4.7.1918. Als notwendige Vorgangsweise empfahl die Tiroler Landeskommission die Einrichtung von sechs bis acht vom Land finanzierten Musterhöfen und die Einbürgerung rationellen Gemüsebaus. Bulgarische Gemüsegärtner, „die auf dem ganzen Kontinent für die Wirtschaftsgärtnerei mustergiltig [sic], wenn nicht erste Autorität
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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