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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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136 Invalidenschulung fizierung für das individuelle berufliche Fortkommen unverzichtbar war, und ging  – einem durchaus optimistischen Menschenbild folgend  – von der grundsätzlichen Bildungsfähigkeit auch bildungsferner Schichten aus. Ja, sie war sogar in der Lage, Personen ganz real auf höhere gesellschaftliche Positionen zu platzieren. Solche Fälle des sozialen Aufstiegs wurden  – wenngleich sie die Ausnahme blieben  – tatsächlich beobachtet.145 4.5 Militärische versus zivile Interessen Die Schulung war grundsätzlich auf die zivile Zukunft der Kriegsbeschädigten aus- gerichtet und sollte die Betroffenen für das Erwerbsleben jenseits des Militärdienstes wieder fit machen. Das Militär hingegen, das diese Schulung (mit)finanzierte, folgte einer anderen Logik : Mit der Kriegsführung beschäftigt, war es zwangsläufig daran interessiert, Kriegsbeschädigte nach Möglichkeit rasch wieder unter die aktiven Sol- daten zu reihen. Hier war ein fundamentaler Konflikt zwischen zwei gleichermaßen staatlichen, aber doch gegenläufigen Interessen angelegt : Neben den volkswirtschaft- lichen Überlegungen musste der Staat, insbesondere sein „militärischer Zweig“, wäh- rend des Krieges zugleich größtes Interesse daran haben, die Wehrkraft zu erhalten, die Kriegsbeschädigten also als Soldaten und nicht als werktätige Bürger wiederherzu- stellen. Es mag zwar so sein, dass auch die Wiederherstellung von Soldaten gewisse medizinische und therapeutische Maßnahmen erforderte, die berufliche Rehabili- tation konnte dem Militär aber kein Anliegen sein. In diesem Bereich der sozialen Kriegsbeschädigtenfürsorge geriet die zivilstaatliche Perspektive (vertreten durch die Landeskommissionen, das Ministerium des Innern, bzw. ab 1918 das Ministerium für soziale Fürsorge) mit den militärischen Absichten wiederholt in Konflikt. Das Militär, das ja bis zur endgültigen Superarbitrierung die Befehlsgewalt auch über kriegsbeschädigte Soldaten inne hatte, scheute nicht davor zurück, Männer aus Invalidenkursen herauszureißen und erneut in militärische Dienste zu stellen, sobald das durch ärztliche Gutachten gerechtfertigt schien. Die Fluktuation unter den Teil- nehmern der Invalidenschulungen146 war deshalb ein ständig wiederkehrender Anlass für Unstimmigkeiten und schien viele Anstrengungen der Landeskommissionen zu- nichte zu machen.147 145 Deutsch, Berufsberatung, S.  58. 146 K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S.  130. 147 Dazu auch Schacherl im Abgeordnetenhaus ; Sten. Prot. AH RR, XXII. Session, 54. Sitzung v. 30.1.1918, S.  2953ff.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
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