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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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140 Invalidenschulung das nicht, so wurde der Kursbesuch über Zuweisungen geregelt.159 Die Kursteilnehmer waren theoretisch  – wenngleich das in der Praxis zum Teil anders aussah160  – während der gesamten Nachbehandlung (medizinischer Nachbehandlung und Schulung) noch nicht superarbitriert, standen also nach wie vor unter militärischer Befehlsgewalt. Der Zugriff auf diese Männer  – „soldier-patients“161 nennt Jeffrey Reznick sie  – war ein- fach, und der bisweilen militärische Charakter dieses Zugriffs wurde  – zumal Nachbe- handlung und Schulung für jeden einzelnen Kriegsbeschädigten auf die Dauer eines Jahres aus dem gemeinsamen Heeresetat finanziert wurden  – als Selbstverständlichkeit nicht infrage gestellt. Ja mehr noch, „der militärische Druck, welcher zur Beschäfti- gung anhält, [galt als] sehr heilsam“.162 Ohne diesen Druck  – so die Überzeugung nicht nur der militärisch Verantwortlichen  – wäre es ungleich schwieriger gewesen, die einerseits mutlosen, andererseits widerstrebenden Verletzten überhaupt zur Aufnahme einer Beschäftigung zu bewegen. Stellvertretend für viele andere sei hier Alois Kastner von der niederösterreichi- schen Landeskommission163 zitiert, der die Invalidenschulung 1917 in einer Versamm- lung von Vertretern der Landeskommissionen in einer kurzen Redepassage  – nicht programmatisch, sondern mehr am Rande  – als Kombination aus Drill und Fürsorge charakterisierte. Der Umschwung anfänglicher Abwehr in Zufriedenheit und die bei den Kriegsbeschädigten letztlich erzielten Gefühle der Freude, des Stolzes und der Dankbarkeit rechtfertigten  – so seine implizite Argumentation  – die etwas härtere 159 In Niederösterreich etwa waren die Absolvierung einer Berufsberatung sowie die Bewilligung durch die Berufshauptberatungskommission bzw. das Militärkommando Wien Voraussetzung für die Teilnahme an der beruflichen Schulung. Es gab neben der Berufshauptberatungsstelle vier  – auf verschiedene Berufsfelder spezialisierte  – Berufsvorberatungsstellen. Die Berufshauptberatungskommission bestand aus sieben Mitgliedern, den Vorsitz führte ein Vertreter des Militärkommandos, sein Stellvertreter war ein Beamter der Landeskommission, hinzu kamen die vier Leiter der Berufsvorberatungsstellen, ein Militärarzt des Reservespitals Nr. 11 und  – nach Kriegsende  – auch ein Vertreter der organisierten In- validen ; siehe Fahringer/Büsch/Liebl, Kriegsbeschädigtenfürsorge, S.  39 und S.  42 ; K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S.  129 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 11941/1918. 160 Fahringer/Büsch/Liebl, Kriegsbeschädigtenfürsorge, S.  38. 161 Jeffrey S.  Reznick, Work-Therapy and the Disabled British Soldier in Great Britain in the First World War : The Case of Shepherd’s Bush Military Hospital, London, in : David A. Gerber (Hg.), Disabled Veterans in History, Ann Arbor, Mich. 2000, S.  185–203, hier S.  191. 162 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  150f. 163 Landesrat Dr. Alois Kastner war Obmannstellvertreter des Ausschusses für Invalidenbeschäftigung und -unterricht ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 11941/1918, Jahresbericht der nö. Landes- kommission 1917, S.  50 ; er unterrichtete in der Invalidenschule des Reservespitals Nr. 11 in Wien ; Frankl, Unterricht, S.  90 ; und leitete seit 1916 auch die vom niederösterreichischen Landesausschuss geschaffene „Amtsstelle zur Fürsorge für die der Landwirtschaft angehörenden Kriegsinvaliden“ ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1916, S.  92.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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