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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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190 Die Verwaltung : Schwachpunkt der sozialen Kriegsbeschädigtenfürsorge Zentralbehörde brachte Bewegung in das Feld, und es erfuhren die Landeskommis- sionen  – wie der im Ministerium für soziale Fürsorge als Chef der Sektion II tätige Otto Gasteiger bei einem wenige Wochen vor Kriegsende in Wien tagenden Kon- gress für Kriegsbeschädigtenfürsorge92 rückblickend konstatierte  – eben „erst durch das neugeschaffene Ministerium für soziale Fürsorge, in dem eine Zentralstelle für die soziale Kriegsbeschädigtenfürsorge geschaffen wurde, dadurch eine Verstärkung, daß ihnen örtliche Fürsorgestellen und Invalidenämter als Exekutivorgane untergeordnet wurden“.93 6.3.3 Die „individualisierende“ Fürsorge Diese neuen Fürsorgestellen und Invalidenämter sollten als „unmittelbare Träger der individualisierenden Fürsorge […] wirken“.94 Ein neues Schlagwort war geboren.95 Die individualisierende Fürsorge war eine „Kriegsbeschädigtenfürsorge, die den ein- zelnen Menschen betreut, das einzelne Mißgeschick ausgleicht“.96 In Ungarn hatte man mit dieser Form der auf den einzelnen Fall zugeschnittenen Kriegsbeschädigten- fürsorge schon Erfahrungen gesammelt : 1917 hatte das ungarische Kriegsfürsorgeamt eine Erhebung unter Betroffenen angeordnet, um Anhaltspunkte für die Richtung der weiteren Fürsorgetätigkeit zu gewinnen. Die als „soziale[s] Experiment“97 bezeichnete Erhebung von zunächst 100  – später weiteren 500  – Fällen sollte unbeeinflusst von vorgefassten Meinungen und Programmen erfolgen. Sie geschah tatsächlich erstaun- lich unvoreingenommen, wenngleich sehr investigativ. „Es wurden die sämtlichen Familien-, Vermögens-, Gesundheits-Verhältnisse, etc. jedes vor uns stehenden Invaliden erfragt. […] Es muss immer soweit gefragt werden, bis man ein vol- les Bild der Vergangenheit und Gegenwart der Familienverhältnisse und der Zukunftspläne des Invaliden und seiner Familie bekommt. Dort, wo wir sahen, oder wo es der Invalide selbst gestand, dass die Frau das Heft im Hause führt, wurde die Frau entweder hereinberufen, oder für Invalidenfürsorge einzuschränken. Die Kriegsbeschädigten-Fürsorge dürfe jedoch vom Staat nicht monopolisiert werden, da sie der Mithilfe der freien gesellschaftlichen Kräfte nicht entbehren könne“ ; ebd. 92 K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S.  31 (235)–33 (237). Der Kongress tagte vom 16.–19.9.1918. 93 Ebd., S.  25 (265). 94 Ebd. 95 Vgl. z. B. auch die Verwendung des Begriffes in der Darstellung der Kriegsinvalidenfürsorge in Bosnien- Herzegowina ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 12089/1918, S.  1f. 96 K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S.  8. 97 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1361, 15498/1918, S.  2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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