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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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191Reorganisation 1918 durch einen Betrauten zuhause ausgefragt. Auch wurde überall ein glaubwürdiger Gewährs- mann gesucht, um uns über alles an Ort und Stelle Aufzuklärende ein Bild zu geben.“98 Der Kriegsbeschädigte wurde besonders nach seinen Zukunftswünschen befragt und  – nach Durcharbeitung der Fälle mit Fachleuten  – entweder in seinem Vorhaben unter- stützt oder von seiner „unrichtigen Idee abzubringen gesucht“.99 „Diese paar Hundert Probefälle haben ein interessantes statistisches Ergebnis gehabt. Es zeigte sich, dass kaum einige Fälle kategorienweise gruppiert, chablonenmässig [sic] erledigt werden können, fast jeder Fall hat sozusagen eine mehr oder weniger starke Individualität. Es spielen so viele Kriterien mit, dass aus ihrem Zusammenspiele, dem Zusammenspiel der, der betreffenden Gegend eigenen allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und Konjunkturen, der Familienverhältnisse, des Alters, Gesundheitszustandes, der geistigen Fähigkeit, der Mo- ral der einzelnen Familienmitglieder, der Vermögensverhältnisse, des Stadiums, in dem sich gewisse Angelegenheiten der Familie z. B. Prozesse, Erbschaften, u.s.w. befinden, immer und immer wieder ein anderes Gesamtbild entsteht und zwar ein lebendiges Bild, welches sich weiter entwickelt, welches in einer Weise gelöst zu werden verlangt, die wohl nach Ablauf eines gewissen Zeitraumes nicht mehr angebracht wären [sic]. Es handelt sich da um die verschiedensten Möglichkeiten, um einem Invaliden und seiner Familie auf die Füsse zu helfen : denn das Ziel muss unseres Erachtens das sein : der Familie eine solche Situation zu schaffen, in der und aus der heraus ein gesichertes und möglichst erspriessliches Weiterle- ben gesichert erscheint, also eigentlich ein gesichertes Vermögensminimum, wobei natürlich nicht nur Geld, oder was man Geldeswert nennt, als Kapital zu betrachten ist, aber jedenfalls auch die Arbeit, die Arbeitskraft der Familie.“100 Obwohl man annehmen könnte, dass ein derart zeitaufwendiges und kostspieliges Fürsorgemodell dazu verurteilt war, als utopistische Idee abgetan zu werden, kam das ungarische Kriegsfürsorgeamt durch die „praktische Probe“101 zum Schluss, dass diese Methode die einzig richtige sei, wenn man eine möglichst große Zahl von Fäl- len zufriedenstellend  – und das hieß auch : endgültig  – lösen wollte, und „dass man eigentlich auch keine Zeit verschwendet, wenn man dieselbe anstatt zur Ausarbeitung doktrinärer Pläne, dazu benützt, gleich frisch einen Fall nach dem anderen in Arbeit zu nehmen, zu lösen und dann weiterzugehen.“102 Wichtig erschien vor allem, den 98 Ebd., S.  2. 99 Ebd., S.  5. 100 Ebd., S.  3f. 101 Ebd., S.  6. 102 Ebd., S.  6.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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