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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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275Spaltungen und Einigungsversuche : 1919–1920 liebe. Außerdem gab es noch den zionistisch orientierten Verband Jüdische Kriegsin- valide und Heimkehrer in Wien94 mit angeblich 1.000 Mitgliedern sowie einen antise- mitisch ausgerichteten Hauptverband der Kriegsbeschädigten, deren Witwen und Waisen deutscher Nation95 mit 30 Mitgliedern. Auf christlichsozialer Seite entstand neben den beiden existierenden Vereinen noch ein dritter für Hinterbliebene, nämlich der Ver- band christlicher Kriegerwitwen und Waisen Deutschösterreichs.96 In Österreich lebende deutsche, tschechoslowakische und ungarische Staatsangehörige bildeten ebenfalls ei- gene Kriegsopfervereine, um ihre Interessen zu wahren.97 Man kann davon ausgehen, dass im Herbst 1919 in Wien etwa 120.000 Kriegsbeschädigte und Kriegshinterblie- bene organisiert waren. Die Situation in den übrigen Bundesländern sah anders, nämlich weit weniger zer- splittert aus. Hier gab es  – mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg, wo sich Kriegsbe- schädigte und Kriegerwitwen in getrennten Vereinen organisierten  – im Wesentlichen jeweils nur einen Landesverband. Die größten Landesorganisationen waren jene von Oberösterreich und der Steiermark.98 Die Landesverbände waren dem in Wien am- tierenden Zentralverband angegliedert, doch gab es immer wieder mehr oder weniger starke Autonomiebestrebungen, die den Zusammenschluss wiederholt gefährdeten. Die über ein Jahr andauernden Streitigkeiten in der Hauptstadt verstärkten diese Be- strebungen noch, da viele Funktionäre der Landesverbände  – von den Wiener Kon- flikten entnervt99  – der Idee einer zentralen Dachorganisation zunehmend weniger abgewinnen konnten. Ein Konflikt, der den Verband in den Folgejahren bestimmen sollte, war hier angelegt. lichen Liste, war im Oktober 1919 erst im Entstehen begriffen. Eine spätere, ungefähr vom April 1920 datierende Angabe nennt eine Mitgliederzahl von 2.400 ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, 11309/1920. 94 Der Verein, der sich 1920 in Verband der jüdischen Invaliden und Heimkehrer in Wien und 1923 in Verband der jüdischen Kriegsbeschädigten, Invaliden, Witwen und Waisen in Wien umbenannte, wurde 1929 nach vereinsinternen Streitereien behördlich aufgelöst ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2866 (Verband der jüdischen Kriegsbeschädigten, Invaliden, Witwen und Waisen in Wien). 95 Dieser Verein war aus dem Konsumverein deutscharischer Krieger und Kriegsbeschädigter hervorgegangen. 96 Vgl. auch AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1376, 23885/1920. 97 Drei Vereine sind hier zu nennen : die Kameradschaftliche Interessengemeinschaft Reichsdeutscher Kriegs- teilnehmer, Beschädigter und Hinterbliebener mit 700 Mitgliedern, die Organisation der in Deutschösterreich ansässigen ungarischen Kriegsinvaliden, Kriegsbeschädigten, Kriegerwitwen und Kriegswaisen mit 1.800 Mitgliedern sowie der Verband der tschechoslowakischen Kriegsinvaliden in Deutschösterreich. 98 Zu den Mitgliederzahlen vgl. Kapitel 15.2.1. 99 „Agitation des sozialwirtschaftlichen Reichsbundes der Kriegsinvaliden Deutschösterreichs in Ober- öster reich“, in : Der Invalide, Nr. 17 v. 1.9.1919, S.  6f.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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