Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Page - 293 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 293 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Image of the Page - 293 -

Image of the Page - 293 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text of the Page - 293 -

293Aufruhr und Beruhigung : Drei Beispiele 300 Kriegsbeschädigte in der Anlage lebten, trafen vor Ort Vertreter der im Spital untergebrachten Kriegsbeschädigten, Delegierte des fünf Wochen zuvor gegründeten Zentralverbandes sowie Delegierte der Staatsämter für soziale Fürsorge und für Jus- tiz zusammen, Hans Spitzy189 leitete die Sitzung.190 Vieles war zu diesem Zeitpunkt schon angedacht : Spitzy etwa ging davon aus, dass der ausgedehnte Schulungsapparat redimensioniert werden müsse, da er ja nun nicht mehr für die ganze österreichische Reichshälfte, sondern nur mehr für das kleine Österreich zuständig war. Auch die Idee, die Einrichtung in einen Betrieb umzuwandeln und diesen auf eine genossen- schaftliche Basis zu stellen, sodass er sich dann im Wesentlichen selbst tragen konnte, wurde nicht erst in dieser Sitzung entwickelt. Zwischen Spitzy und den Vertretern der Kriegsbeschädigten bestand in diesen Punkten volle Übereinstimmung. Am drängendsten aber war zu diesem Zeitpunkt die schon seit über einem Monat ungeklärte Kompetenzfrage. Es war von Woche zu Woche wieder ungewiss, wer die Werkmeister bezahlen würde. Die Zuständigkeit von insgesamt nicht weniger als fünf Ministerien führte fortwährend zu „Reibereien“.191 Die Sitzungsteilnehmer beantrag- ten daher beim Staatsrat, dass die Agenden der Invalidenschulung dem Staatsamt für soziale Fürsorge unterstellt werden sollten. In den nachfolgenden interministeriellen Gesprächen wurde Hans Spitzy, der eine Stilllegung der Anlage unbedingt verhin- dern wollte, nicht müde, auf den materiellen Wert und auf die künftige Bedeutung der Invalidenschulen für Zivilbeschädigte und verkrüppelte Kinder hinzuweisen.192 Auch Sozialminister Ferdinand Hanusch betonte, dass die Invalidenschulen nicht aufgelas- sen werden dürften.193 Als zumindest entschieden war, dass die Schulen tatsächlich vor Zerfall und Plünderung zu bewahren und Ruhe und Ordnung wiederherzustellen ; AT-OeStA/ AdR BMfsV Kb, Kt. 1379, 32674/1920. 189 Zu Spitzy vgl. Kapitel 4.2. 190 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1364, 4580/1918, Protokoll der Sitzung in den Invalidenschulen v. 16.12.1918. 191 Ebd. Gemeint waren folgende Ministerien, respektive Staatsämter : jenes für soziale Fürsorge, jenes für Inneres, jenes für öffentliche Arbeiten, jenes für Volksgesundheit und jenes für Handel und Gewerbe, Industrie und Bauten. 192 Ebd., Kt. 1364, 4580/1918, Interministerielle Kommission für Invalidenfürsorge, Protokoll v. 27.12.1918. Dass die im Krieg gesammelten Erfahrungen später der zivilen „Krüppelfürsorge“ zugute kommen sollten, betonte Spitzy von Anfang an ; z. B. Hans Spitzy, Organisation und Aufbau des Or- thopädischen Spitales und der Invalidenschulen (= Vortrag an der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Krüppelfürsorge in Berlin, 6. Februar 1916), in : Medizinische Klinik, 16 (1916) Sonderabdruck, S.  3–16, hier S.  16. Spitzy konnte tatsächlich durchsetzen, dass in den Schleierbaracken nach dem Krieg auch körperbehinderte Jugendliche geschult wurden („Aktion Prof. Spitzy“) ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1394, 2801/1922. 193 Ebd., Kt. 1364, 4580/1918, Interministerielle Kommission für Invalidenfürsorge, Protokoll v. 27.12. 1918.
back to the  book Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates