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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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294 Die Invalidenbewegung weitergeführt werden, blieb doch die Frage, wem die Baracken gehörten und wer sie verwalten sollte, noch völlig ungelöst. Auch eine Absiedlung der Invalidenschulen aus dem Barackenprovisorium wurde überlegt,194 doch dazu kam es nicht. Um die Jahres- wende von 1918 auf 1919 übernahm schließlich das Staatsamt für soziale Fürsorge die Oberaufsicht über die Barackenstadt, trennte sie vom Reservespital ab und über- trug die Leitung der Einrichtung einem Direktorium, das sich aus Behördenvertretern, Angestellten und Kriegsbeschädigten zusammensetzte.195 Im Juni 1919 veröffentlichte die Österreichische Volkszeitung unter der Überschrift „Die Invalidenschulen suchen Schüler. Die Kriegsbeschädigten melden sich nicht“ einen Artikel, in dem ausdrücklich auch auf die neue Verwaltungsstruktur der Schule hingewiesen und damit eine zentrale Innovation hervorgehoben wurde : Die Schulen seien nicht mehr militärisch geführt, sondern hatten nun eine Administration „auf breitester demokratischer Grundlage“, hieß es hier werbend. Der Tatsache, dass die Rätebewegung auch die Gruppe der Kriegsbeschädigten erfasst hatte, die ihrerseits Invalidenräte gründeten und ihr Recht auf Mitbestimmung erfolgreich einforderten, wurde überdeutlich Rechnung getragen. „Die ausgedehnten Anlagen der staatlichen Invalidenschulen am Hebbelplatz in Favoriten leiden unter chronischem Schülermangel. Trotz der herrschenden Arbeitslosigkeit werden die Schulen von den Anspruchsberechtigten noch viel zu wenig in Anspruch genommen. Ein Freund der Invaliden will diese Erscheinung dadurch zu erklären suchen, dass die so wertvollen Invalidenschulen noch nicht allgemein bekannt sein dürften. Nach dem neuen Invalidengesetz haben auf Schulung und Verpflegung alle deutschöster- reichischen Kriegsbeschädigten (Mannschaft und Gagisten) Anspruch. In Pavillons inmitten schöner Anlagen ist für alles vorgesorgt. Eine Bibliothek, ein Vergnügungsraum und die aus Schülern und Lehrern bestehende Schulgemeinde sorgen für belebende und belehrende Abwechslung. Die Anstalt ist in halbstündiger Straßenbahnfahrt vom Stadtinneren zu errei- chen. Sie gliedert sich in eine gewerbliche und eine theoretische Gruppe. Die gewerbliche Gruppe umfaßt zahlreiche Werkstätten für fast sämtliche Gewerbe und Kunstgewerbe. Nach Erreichung des Lehrzieles erhält man ein staatsgültiges Zeugnis, das die Meisterlehre ersetzt. Die soziale Hilfsstelle sorgt dann für die Unterbringung des Absolventen, die fast im- mer gelingt. Die theoretische Gruppe umfaßt folgende Kurse : Bürgerschule, Handelsschule, 194 Ebd., Kt. 1403, 19472/1922. 195 Ebd., Kt. 1372, 9657/1920. Das Direktorium wurde in der Sitzung der interministeriellen Kommission für Invalidenfürsorge am 27.12.1918 geschaffen ; ebd., Kt. 1364, 4580/1918, Interministerielle Kom- mission für Invalidenfürsorge, Protokoll v. 27.12.1918. Im April 1919 löste ein zu gleichen Teilen mit Angestellten und Kriegsbeschädigten besetzter Oberausschuss das Direktorium ab ; auch Staatsamt für soziale Verwaltung, Amtliche Nachrichten, 1919, S.  95.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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