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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Page - 296 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

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296 Die Invalidenbewegung all dem auch noch konkurrenzfähig blieb ?202 Das war von der letztlich Ende 1920 gegründeten Produktionsgenossenschaft der Wiener Kriegsinvaliden und Kriegshinterblie- benen (PRODWI) wohl etwas viel verlangt. PRODWI wehrte sich anfangs auch ent- schieden gegen die Verpflichtung, behinderte Kinder zu schulen.203 Und es gab etliche kritische Stimmen, die grundsätzlich daran zweifelten, dass sich eine Genossenschaft, die zugleich die Aufgaben der Invalidenschulung übernehmen musste, im Konkur- renzkampf bewähren würde.204 Johann Jakob Hollitscher, der durch den Wechsel vom Zentralverband zum Sozial- wirtschaftlichen Reichsbund, der ja in den Schleierbaracken gegründet worden war, sein Naheverhältnis zu den Invalidenschulen in Wien-Favoriten schon unter Beweis gestellt hatte, ging jedoch davon aus, dass dieser Spagat zwischen den divergierenden Anfor- derungen möglich sei. Von ihm stammte der erste Plan für eine „Vergenossenschaftung der Österreichischen Invalidenschulen“. Darin führte er Mitte 1920  – als übrigens der Sozialwirtschaftliche Reichsbund schon wieder Geschichte war205  – aus, dass fünf der insgesamt 23 Schulungsbetriebe in den Schleierbaracken zu produktiven Betrieben umgewandelt werden und dann gut 300 Personen Beschäftigung geben könnten. Das Anlagekapital der Genossenschaft sollte laut Hollitschers Entwurf aus den für Kriegs- beschädigte gewidmeten staatlichen Fonds bereitgestellt werden.206 Anders als die In- validenschulen könnte ein solcher Betrieb vor allem deshalb aktiv bilanzieren, weil die Kriegsbeschädigten mit ihrem Eintritt als Arbeiter in die Genossenschaft viel effizien- ter arbeiten würden. Bisher hingegen „fühl[t]en sich die invaliden Arbeitskräfte selbst- verständlich  – und es darf ihnen dies wirklich nicht übel genommen werden  – in erster Linie als Schüler und nicht als Arbeiter“, was sich im Budget „zu Lasten des Staates sehr geltend“207 gemacht hätte. Auch das Problem, dass die Invalidenschulen ihre Auf- 202 Ebd., Kt. 1403, 19472/1922, Vorakt 12994/1920, [Hollitscher], Expose betreffend die Vergenossen- schaftung der : „Oe. INVALIDENSCHULEN“ Wien X. Schleiergasse. 203 Ebd., Vorakt 18718/1920. 204 Z. B. ebd., Kt. 1403, 19472/1922, Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Korbflechte- rei und verwandte Flechttechniken an StAfHGIuB v. 5.7.1920. 205 Vgl. Tabelle 1 und Tabelle 7 im Anhang. 206 Die Genossenschaft sollte ausschließlich juristische Personen als Anteilseigner akzeptieren, d. h. auch die Kriegsbeschädigten wären nur über ihre Organisationen vertreten gewesen bzw. über eine eigene Untergenossenschaft, deren Kapital von nicht näher genannten „Industriellen“ zur Verfügung gestellt werden sollte ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1403, 19472/1922, Vorakt 12994/1920, [Hollitscher], Expose betreffend die Vergenossenschaftung der : „Oe. INVALIDENSCHULEN“ Wien X. Schleier- gasse ; ebd., Kt. 1403, 19472/1922, [Hollitscher], Ergänzung des Exposés, betreffend die Vergenossen- schaftung der Oe. Invalidenschulen, v. 6.7.1920. 207 Ebd., Vorakt 12994/1920, [Hollitscher], Expose betreffend die Vergenossenschaftung der : „Oe. INVA- LIDENSCHULEN“ Wien X. Schleiergasse, S.  10.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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