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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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297Aufruhr und Beruhigung : Drei Beispiele gabe als Unterrichtsstätten in den ersten Nachkriegsjahren nur mehr schlecht erfüllten, weil das Rohmaterial so kostspielig war,208 könnte dadurch, dass die Genossenschaft eben nur mehr nebenbei schulte, hauptsächlich aber produzierte und damit verdiente, gelöst werden.209 Ergebnis mehrmonatiger Verhandlungen und verschiedener Abän- derungen des ursprünglichen Entwurfs war schließlich Ende 1920 die Gründung der bereits genannten PRODWI durch den Zentralverband.210 Mit der Schaffung der Genossenschaft war aber noch nicht viel erreicht, denn das Geld fehlte an allen Ecken und Enden. Versuchsweise und mit Unterstützung des Bundesministeriums für soziale Verwaltung wurde jedenfalls Anfang 1921 die ehema- lige Schulwerkstätte für Schneiderei in eine Konfektionsschneiderei umgewandelt. 45 Kriegsbeschädigte und Kriegerwitwen konnten hier beschäftigt werden.211 Ihr erster Auftrag bestand in der Retablierung212 von 200.000 Mehl- und Reissäcken für die Kriegsgetreideanstalt. Die Barackenstadt funktionierte während der mehrjährigen Übergangsphase zwi- schen Ende 1918 und Anfang 1922, in der sowohl die konkrete Zweckwidmung als auch die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse noch in der Schwebe waren, als eine Mischung aus Wohnheim, Schulungseinrichtung und Betrieb. Verschiedene Firmen, die alle in der einen oder anderen Weise mit der Kriegsbeschädigtenfürsorge zu tun hatten, wie z. B. seit 1920 die aus einer Invalidengenossenschaft hervorgegangenen Keramos-Werke213 zur Produktion von Wiener Kunstkeramik, fanden hier eine Bleibe. Anfang 1922 wurden die Baracken schließlich an die PRODWI verkauft, die vorher schon als Mieterin der Anlage fungiert hatte,214 und in drei Bereiche  – in die Werk- stätten der Genossenschaft, in ein Schulungsheim inklusive Unterkunftsstelle und in 208 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1403, 19472/1922, Vorakt 424/1821, Deutsch-österreichische Invali- denschulen an BMfsV v. 4.1.1921. 209 Für die Schulung der Invaliden boten Genossenschaften einen weiteren Vorteil, indem sie  – als richtige Gewerbebetriebe  – ihre Absolventen auch nach den gesetzlichen Vorschriften „freisprechen“, also zu Gesellen erklären konnten ; ebd., Kt. 1394, 2801/1922. 210 Die konstituierende Generalversammlung fand am 23.12.1920 statt, die Registrierung der Statuten am 15.2.1921 ; ebd., Kt. 1403, 19472/1922, Vorakt 2611/1921, Statuten der Firma „PRODWI“. 211 Ebd., Kt. 1383, 10421/1921. 212 Aus jeweils drei alten Säcken wurden zwei neue angefertigt. 213 Ebd., Kt. 1567, Sa 125, I. Teil und II. Teil ; siehe auch Uta M. Matschiner, Keramos. Wiener Kunstke- ramik und Porzellanmanufaktur : Monografie und Werkverzeichnis von Keramos Wien, St. Valentin 2010. 214 Anton Lang, Die Schleierbaracken. Von den Invalidenschulen zum Gewerbepark, Wien 2000, S.  38. Zu den Eigentumsverhältnissen siehe auch den Hinweis, dass die Anlage in das Eigentum des Kran- kenanstaltenfonds übergegangen sei, welcher der Genossenschaft PRODWI, der Eigentümerin der Baracken, Geräte und Maschinen zur Benützung überließ ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1400, 14173/1922.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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