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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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302 Die Invalidenbewegung die Teiche im Sommer durch Fischzucht und Schifffahrt, im Winter durch Eisge- winnung und die Anlage von Eislaufplätzen bewirtschaften, weiters das bestehende Park-Kaffeehaus betreiben und Fremdenführungen in den Prunkräumen organisieren. Einigkeit wurde auch darüber erzielt, dass die hofärarische Verwaltung, respektive die ihr unterstellte Schlosshauptmannschaft, grundsätzlich erhalten bleiben sollte. Der Zentralverband selbst entwarf ein noch umfangreicheres Invalidenprojekt, dem zufolge im Schloss und Schlosspark Laxenburg eine kleine Stadt mit eigenen Wirtschafts- betrieben, eigenem Konsumverein und eigenem Invalidenrat sowie insgesamt 250 kriegsbeschädigten „Ansiedlern“ hätte entstehen sollen. Geplant waren eine „Bade- anlage größten Stils, […] Anlage eines großen Freilufttheaters zur Durchführung von Volksstücken und klassischen Werken, Ausstellungshallen für Veranstaltung zweck- entsprechender Schaubietungen von landwirtschaftlichen Ma[s]chinen, Kleintieren, […] große Sportfeste, Jahrmärkte, Messen“ .233 Doch zunächst gab es ziemlich grundlegende Hindernisse, die solchen ambitionierten Plänen im Wege standen : Von der Finanzierungsfrage ganz abgesehen, konnten nämlich im April 1919 nicht einmal alle Teile des Schlosses genutzt werden. Manche Gebäude waren von einer Gendarmerieschule okkupiert, es gab keine Wasserleitung und keine Kanalisation, und auch die Stromversorgung lag im Argen. Der Anschluss an die drei Kilometer entfernt verlaufende Marienthaler Wasserleitung und die Verbindung mit der Wien-Zillingdorfer Starkstromleitung waren daher notwendig. Als Termin, zu dem die nötigen Instandsetzungsarbeiten abgeschlossen sein würden und Laxenburg übergeben werden konnte, wurde der 1. Juli 1919 in Aussicht genommen.234 Über die Ergebnisse wurde ein Kommuniqué für die Presse verfasst.235 Der Zentralverband hatte also sein Vorhaben, das Schloss in Besitz zu nehmen, zumindest auf dem Papier durchgesetzt. Bald tauchte jedoch ein neues Problem auf, das bei den Verhandlungen im April noch gar nicht auf dem Tisch gelegen war und nun zu Verzögerungen führte. Obwohl das Habsburgergesetz eine Enteignung der hofärarischen Güter zugunsten der Repu- blik Österreich ausgesprochen hatte, war nämlich, solange die Friedensverhandlun- gen noch andauerten, nicht endgültig entschieden, wem die Güter wirklich gehören würden, da auch die übrigen Nachfolgestaaten der Habsburgermonarchie Ansprüche an das hofärarische Vermögen stellen konnten. Der Zentralverband fühlte sich durch die ungeklärte Eigentumsfrage hingehalten, misstraute der hofärarischen Verwaltung prinzipiell und nahm Ende Juni einen an sich unbedeutenden Zwischenfall bei den 233 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1554, Sa 29, I. Teil, 20378/1919, Plan des Unternehmens des Zent- ralverbandes der deutschösterreichischen Kriegsbeschädigten hinsichtlich Verwendung des ihm über- lassenen ehemals kaiserlichen Besitzes Laxenburg. 234 Ebd., 11946/1919, Leitsätze für die Unterbringung von Kriegsbeschädigten in hofärarischen Objekten. 235 Ebd., 11946/1919, Beschlussprotokoll.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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