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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Page - 307 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

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307Aufruhr und Beruhigung : Drei Beispiele aller offenen Fragen  – und damit auch die neuerliche Entscheidung über die Auf- rechterhaltung der seinerzeitigen Widmung Laxenburgs  – ihm zugewiesen.264 Die in Laxenburg angestellten Kriegsbeschädigten verlangten indes angesichts der massiven Geldentwertung wiederholt Gehaltserhöhungen, die ihnen  – wenn auch nicht immer im geforderten Ausmaß  – stets gewährt wurden ;265 sie kämpften gegen die Einstel- lung der elektrischen Beleuchtung, die aus Kostengründen am 1. Jänner 1920 dennoch erfolgte,266 und begehrten  – während die Staatsstellen bereits über ihre Absiedlung nachdachten  – immer noch die definitive Übergabe des Schlossgutes.267 Anfang 1920 war dann die Entfernung der Kriegsbeschädigten aus Laxenburg und die Verwertung des Gutes bei den staatlichen Stellen beschlossene Sache, es ging nun nur noch darum auszuloten, wie die „Abbauaktion“ zu bewerkstelligen sei. 84 Männer lebten zu diesem Zeitpunkt noch im Schloss.268 Für sie musste eine Lösung gefunden werden, von anderen Kriegsbeschädigten war aber großer Widerstand nicht länger zu erwarten. Die Staatskanzlei nahm sich kein Blatt mehr vor den Mund : „Die seiner- zeitige Widmung Laxenburgs für die Zwecke der Kriegsbeschädigten habe unter dem Drucke eines Terrors stattgefunden, und die Zeiten wo man unter ängstlichen Ein- drücken gehandelt habe, sei[en] gegenwärtig vorüber. Auch die Invalidenschaft werde gemerkt haben, dass jetzt ein anderer Wind wehe.“269 Das Finanzministerium drängte im Jahr 1920 immer vehementer auf eine rasche Lösung der Laxenburger Frage.270 Bis zum Mai 1920 war für das Unterfangen bereits eine Summe von Kr 1,000.000 verausgabt worden.271 Bis Ende 1920 sollten weitere 264 Die grundbücherliche Eintragung des Kriegsgeschädigtenfonds zog sich bis Ende 1923 hin ; BezG Mödling, Grundbuch, KG Laxenburg, EZ 308, Eintrag v. 10.11.1923 (am 26.2.1938 wurde das Eigen- tumsrecht an Laxenburg dann für den Familienversorgungsfonds des Hauses Habsburg-Lothringen, am 1.7.1939 für das Land Österreich und am 10.6.1941 für die Stadt Wien einverleibt).  – Die Ver- handlungen mit dem Kriegsgeschädigtenfonds gestalteten sich anfangs schwierig, weil sich die Ein- richtung eines Kuratoriums verzögerte und in jeder Angelegenheit direkt mit dem Präsidium Kontakt aufgenommen werden musste ; z. B. AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1554, Sa 29, II. Teil, 3800/1920, StAfsV an KGF v. 2.3.1920 ; 9048/1920, KGF an StAfsV v. 22.3.1920. 265 Z. B. ebd., Kt. 1554, Sa 29, II. Teil, 629/1920 ; 4855/1920 ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, III. Teil, 1139/1920 ; 11537/1920. 266 Ebd., Kt. 1554, Sa 29, II. Teil, 3990/1920 ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, III. Teil, 23163/1920. 267 Ebd., Kt. 1554, Sa 29, II. Teil, 1151/1920 ; 3800/1920. 268 Ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 32052/1920. 269 Ebd., Kt. 1554, Sa 29, II. Teil, 1151/1920. Diese Formulierung erregte unter den Kriegsbeschädigten großen Unmut und wurde später abgeschwächt. 270 Ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 3991/1920, 6. Abrechnung der Schlosshauptmannschaft, mit einem Vermerk des StAfF v. 9.6.1920. 271 Siehe die Auflistung der zwischen August 1919 und Mai 1920 vom Staatsamt für soziale Verwaltung an die Schlosshauptmannschaft überwiesenen Beträge ; ebd., Kt. 1555, Sa 29, IV. Teil, 16995/1920.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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