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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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312 Die Invalidenbewegung wurde nun, vor ihrer neuen Zweckwidmung, relativ aufwendig renoviert. Vorwürfen, dass man das Geld statt für die Renovierung für die Kriegsbeschädigten selbst verwen- den hätte sollen, trat der Zentralverband mit peniblen Berechnungen und Darlegun- gen entgegen, denen zu verdanken ist, dass heute vom Wandschmuck im Sitzungssaal („Die Wände sind einfach aber geschmackvoll mit braun umrahmten Bildern aus un- serer Kunstmappe ‚Erinnerungen an den Weltkrieg‘, Zeichnungen von Ernst Kutzer, geschmückt“297) über die Art der Einrichtung des Vorstandsbüros (Pendeluhr, sechsar- miger Luster, bescheidene Klubmöbel) bis zur Beschaffenheit der Stoffe von Vorhang und Teppich („Kongreßstoff “ an den Fenstern und gelbe „grobe Jute“ auf dem Boden) jedes Detail überliefert ist.298 Besonders wegen der Klubsessel gab es heftige Proteste, sodass sich der Zentralverband genötigt sah, im Invaliden Klarheit zu schaffen : „Und wenn schon einige Klubsessel und Fenstervorhänge und ein bißchen Wandschmuck angeschafft wurden, so gehört das ja nicht dem Kameraden Schnürmacher oder Winer oder Kainradl,299 sondern es gehört doch dem Zentralverband und es ist somit Eigentum aller Invaliden und weder diese drei Kameraden noch sonst ein Angestellter sitzt in einem Klub- sessel, sondern nur die Besucher die kommen und das sind doch meistens Invalide.“300 Die Gardekaserne sollte für die folgenden zehn Jahre Heimatadresse des Zentralver- bandes sein. 1930, als der Parteienverkehr schon deutlich zurückgegangen war, machte der Verband der Druckerei Inva Platz, die schon zuvor Teile der ehemaligen Kaserne okkupiert hatte, und mietete Büroräume im ersten Stock eines Hauses in Wien IX, Berggasse 7,301 wo er bis zu seiner Auflösung blieb.  – In das Zentrum der ehemaligen Macht schaffte es übrigens ein anderer Verein : Der christlichsoziale Reichsbund resi- dierte seit 1922 in der Wiener Hofburg.302 Doch ihm unterstellte der Zentralverband 297 „Im neuen Heim“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 7/8 v. 1.12.1920, S.  1–3, hier S.  2. Ernst Kut- zer war ein bekannter österreichischer Maler, Grafiker und Bilderbuchillustrator, im Ersten Weltkrieg Kriegsmaler ; http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Kutzer (Abfrage : 13.10.2011). 298 „Im neuen Heim“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 7/8 v. 1.12.1920, S.  1–3, hier S.  2. 299 Rupert Kainradl war wichtiger Funktionär und Gesetzesreferent des Zentralverbandes, Johann Schnür- macher Obmann des Dachverbandes, Moritz Winer Geschäftsstellenleiter in der ehemaligen Kaserne in der Lerchenfelderstraße, er verstarb Ende 1920 ; „III. Vereinsjahr, 3. Ausschußsitzung vom 9. u. 10. Nov. 1920“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 5/6 v. Mai/Juni 1921, S.  14f. 300 „Im neuen Heim“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 7/8 v. 1.12.1920, S.  1–3, hier S.  3. 301 Der Invalide, Sondernummer v. April 1930. Die im ersten Stock des Hauses gelegenen Büroräume wurden im Februar angemietet ; BezG Josefstadt, Grundbuch, KG Alsergrund, EZ 119, C-Blatt, OZ 13. 302 Der erste Hinweis auf diese Adresse ist ein an den Verein adressierter Brief vom 21.8.1922 ; AT-OeStA/ AdR BMfsV Kb, Kt. 1404, 21072/1922. Im November 1922 hatte sich das Vereinslokal noch in Wien
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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