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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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315Konsolidierung des Zentralverbandes : 1920 Gremium selbst, sondern seien auch einer kontinuierlichen Arbeit abträglich. Hein- rich Gallos vermittelte zwischen den Konzepten, aber letztlich sagte auch er deutlich : „Kameraden ! […] Eine Zentralorganisation ist für die Invalidenschaft ebenso notwen- dig wie bei fast allen Organisationen. Sie muß sein !“313 Die zentralistische Position wurde vor allem von den sozialdemokratisch und ge- werkschaftlich orientierten Funktionären des Zentralverbandes vertreten. Sie wollten einen straff organisierten Verband mit einheitlicher Linie und beklagten Disziplinlo- sigkeit und Selbstständigkeitsbestrebungen nicht nur der Teilorganisationen, sondern auch der einzelnen Mitglieder : „Während es der Invalide als organisierter Holz- oder Metallarbeiter […] selbstverständ- lich findet, daß die Organisation zentralistisch straff zusammengebunden ist, erliegt er als organisierter Invalider allen möglichen Lockungen, läuft jedem politischen Charlatan [sic] und Schreier nach. Anstatt sich von der Gewerkschaft das Muster für seine Organisation zu nehmen, wird über halb- und ganzförderalistische Systeme, autonome Ortsgruppen und selbständige Landesverbände gepredigt und diese Redensarten werden gläubig nachgebetet. […] Jede Ortsgruppe spielt mit Autonomieerklärungen, wenn nicht sofort ihre Wünsche erfüllt werden, jeder Landesverband läuft selbständig zur Regierung und unternimmt Aktio- nen, ohne den Zusammenhang der Verhältnisse zu berücksichtigen.“314 Die zermürbende Auseinandersetzung über die geeignetste Organisationsform des jungen Vereins und die optimale Einbindung seiner Mitglieder verdeckte die Tatsa- che, dass der Gegensatz zwischen urbanen und ländlichen Regionen, der entgegen Egkhers Behauptung ein Faktum war, organisatorisch noch nicht bewältigt war. Eine relativ konfliktreich verlaufende Länderkonferenz hatte Anfang Dezember 1919 zu- nächst nur die Auseinandersetzungen des zu Ostern abgehaltenen Delegiertentages fortgesetzt.315 Das schon damals zutage getretene Misstrauen der Provinz gegenüber 313 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 46, 25160/1919, Heinrich Gallos, An die Invaliden Deutsch- österreichs !, v. September 1919. 314 Arbeiter-Zeitung v. 11.8.1920, zit. nach Der Invalide, Nr. 16 v. 1.9.1920, S.  2. Der Artikel wurde von einem Funktionär des Zentralverbandes verfasst. 315 Dieses erste gesamtösterreichische Treffen nach dem Delegiertentag vom April 1919 fand am 30.11/1.12.1919 in Wien statt. Die Länderkonferenz (bzw. Landesobmänner-Konferenz) befasste sich neu- erlich mit der Organisationsstruktur des Verbandes und versuchte  – neben der Klärung des Verhältnisses zu den neben dem Zentralverband entstandenen Vereinen  –, einen Ausgleich zwischen den zentralistischen und den föderalistischen Bestrebungen herbeizuführen. „Große, schöne und wichtige Aufgaben sind dieser Konferenz gestellt. Die Zentralorganisation gleicht einem großen Saal, in den seit November 1918 die Massen unserer Mitglieder in wirren, regellosen Haufen hineingeströmt sind. Sie füllen den Saal aus, und nun gilt es Ordnung zu machen im Inneren, es gilt jedem seinen Platz anzuweisen, damit einer den anderen
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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