Page - 336 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Image of the Page - 336 -
Text of the Page - 336 -
336 Die Praxis des Invalidenentschädigungsgesetzes
Tabelle 12 : Stand der Rentenbemessungen (Invaliden- und Hinterbliebenenrenten) in Öster-
reich, 1919–1923*
Quelle : Franz Fahringer/Karl Friedrich Büsch/Hans Liebl (Hg.), Kriegsbeschädigtenfürsorge in Wien,
Niederösterreich und Burgenland von 1914 bis 1929, Wien 1929, S. 77f
Anträge
(inkl.
Vorjahr) positiv
erledigt negativ
erledigt ander-
weitig
erledigt nicht
erledigt erledigt,
in %
Invalidenrenten
1919 42.625 500 1.000 – 41.125 3,5
1920 94.343 26.081 5.700 – 62.562 33,7
1921 103.240 58.119 13.493 7.518 24.110 76,6
1922 109.785 71.715 21.091 10.413 6.566 94,0
1923 111.293 76.982 23.607 10.504 200 99,8
Hinterbliebenenrenten
1919 15.000 187 – – 14.813 1,2
1920 37.500 2.145 530 – 34.825 7,1
1921 39.834 8.582 2.136 – 29.116 26,9
1922 47.859 30.977 5.504 5.274 6.104 87,2
1923 53.367 38.752 8.760 5.434 421 99,2
* Die Zahlen eines Jahres enthalten jeweils alle bis zu diesem Zeitpunkt gestellten Anträge. Zu den Zahlen
für die Hinterbliebenenrenten ist zu ergänzen, dass hier die Zahl der Leistungsbezieherinnen und -bezieher
wesentlich höher war, als dies die Zahl der Anträge vermittelt, da ein Antrag mehrere Angehörige enthalten
konnte.
Die Zahlen, die den Stand der Rentenbemessung zum jeweiligen Jahresende abbilden,
zeigen, dass erst im Verlauf des Jahres 1922 eine gewisse Entspannung eintrat. Ein Fall-
beispiel mag illustrieren, welche Konsequenzen die Anlaufschwierigkeiten bei der Umset-
zung des IEG im Einzelfall haben konnten : Ein im Jahr 1917 an der russischen Front an
Tbc erkrankter Soldat wurde sofort nach Inkrafttreten des IEG medizinisch begutachtet,
wobei ihm eine 65-prozentige MdE attestiert wurde. Der Betreffende verstarb im Februar
1922 an den Folgen seiner Krankheit, ohne bis dahin in den Genuss einer Invalidenrente
gekommen zu sein. Die Witwe meldete den Tod ihres Ehemannes umgehend und bean-
tragte sowohl ein Sterbegeld, wie es das IEG vorsah, als auch eine Hinterbliebenenrente.
Ihre Anträge harrten im Oktober des Jahres 1923 immer noch einer Erledigung.39
39 „Die Rentenbemessungen für die Kriegsbeschädigten und deren Hinterbliebenen“, in : Der österreichi-
sche Kriegsinvalide, Nr. 9 v. 1.10.1923, S. 3.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Die Wundes des Staates
- Subtitle
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Authors
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 586
- Categories
- Geschichte Nach 1918