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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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363Resümee : Vom Entschädigungs- zum Versorgungsgesetz ten massiv zu schmälern.132 Die Renten scheinen durch diese permanente Entwertung derart an Bedeutung verloren zu haben, dass sie eben nicht mehr  – wie 1919 inten- diert  – das soziale Gefüge einer gesamtgesellschaftlichen Realität berücksichtigten. Statt in diesem Sinn Entschädigung für einen individuellen Schaden zu leisten, „ver- kamen“ sie zu einem „Notgroschen“, oder zum bloßen Ausdruck des „Dankes des Vaterlandes“, der der Kriegsbeschädigtenversorgung ursprünglich anhaftete (und auf den  – das soll hier nicht unerwähnt bleiben  – die Kriegsopfer gewissermaßen immer noch reflektierten). War also der Bedeutungsverlust der Renten ein Grund für die leichtfertige Verabschiedung von ehemals innovativen gesellschaftspolitischen Kon- zepten, so mag ein weiterer darin zu finden sein, dass der Zentralverband bei aller Beteuerung seiner Überparteilichkeit aufgrund seiner faktischen Nähe zur Sozialde- mokratie schließlich doch in erster Linie jenen gesellschaftlichen Sektor vertrat, der das sozialdemokratische Wählerpotenzial ausmachte, und auf vermeintlich privile- gierte Schichten, wie sie dieser Auffassung nach in der obersten Bildungsstufe ver- treten waren, wenig Rücksicht zu nehmen brauchte. Zudem waren solche Schichten, die auch auf andere Ressourcen zurückgreifen konnten und für die die Invalidenrente angesichts ihres geringen Ausmaßes schon lange nur mehr ein Taschengeld bedeutete, unter den Kriegsbeschädigten wohl tatsächlich unterrepräsentiert. 10.4 Resümee : Vom Entschädigungs- zum Versorgungsgesetz Nach seiner siebenten Novellierung Mitte 1922 war das IEG kaum noch wiederzu- erkennen und hatte seine ursprüngliche Konzeption praktisch abgestreift. Durch die zwangsweise Abfertigung der Empfänger der beiden untersten Rentenstufen wurde die Gruppe der Rentenbezieher mit einem Schlag nahezu halbiert, und  – was viel for- mal viel schwerer wog  – durch die Einführung der Einheitsrente wurde der Anspruch aufgegeben, bei der Höhe der Entschädigung die soziale Herkunft der Leistungs- bezieher zu berücksichtigen. Beide Seiten  – die Politik bzw. die Bürokratie ebenso wie die Vertreter der Kriegsbeschädigten  – trugen zu gleichen Teilen dazu bei, diese Neuorientierung der Kriegsbeschädigtenversorgung umzusetzen. Die dahinterliegen- den Motivationen speisten sich bei beiden Akteuren zu einem erheblichen Teil aus denselben Quellen : aus dem rapiden Wertverfall der Kronenwährung sowie aus den massiven Schwierigkeiten, jenes 1919 erdachte System, das geschaffen worden war, um die Rentenbemessungen und -auszahlungen zu leisten, erfolgreich in Gang zu bringen. Das Ergebnis  – das IEG in der Fassung von 1922  – war, will man es positiv 132 Zur indexgebundenen Erhöhung der Teuerungszulagen vgl. FN 102 in Kapitel 10.3.2.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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