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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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388 Staatliche Fürsorge jenseits des Invalidenentschädigungsgesetzes tionen mehr der Akquirierung von Beträgen für Fürsorgemaßnahmen dienten und welche eher die Finanzierung der Vereinsarbeit bezweckten, ist dabei oft gar nicht so genau auseinander zu halten. Verschiedene, meist vor Weihnachten angesetzte Sammelaktionen, über die die Vereinszeitung beredt Auskunft gibt, Kriegsopfertage, wie etwa jener, den der Wiener Landesverband des Zentralverbandes im Juli 1921 organisierte,80 Kulturveranstaltungen, Lotterien81 und der Vertrieb diverser Kleinwa- ren  – von Kriegsopferzündern82 über Rasierklingen und Kernseife83 bis zu Dollfuß- Bildchen ab 193484  – vermitteln den Eindruck eines beachtenswerten Ideenreich- tums.85 Im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten sind auch unzählige Fälle von Unterschlagung, Erpressung, Kettenhandel und missbräuchlicher Verwendung von Spendengeldern aktenkundig geworden. Die Polizei untersagte vorbestraften Kriegs- beschädigten zwar die Teilnahme an den genehmigungspflichtigen Sammlungen, was 1927 etwa zum Ausschluss der gesamten Belegschaft der Kopfschussstation (einer Einrichtung für Kopfverletzte mit epileptischen Anfällen86) von der Weihnachts- sammlung führte  – praktisch alle vorgeschlagenen Sammler waren vorbestraft87  –, 80 Der Kriegsopfertag brachte dem Landesverband Einkünfte von insgesamt 13,4 Mio. Kr ; AT-OeStA/ AdR BMfsV Kb, Kt. 1400, 14551/1922. 81 Z. B. Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 1 v. Jänner 1929, S.  7f ; Der Invalide, Nr. 4 v. April 1930, S.  2 ; ebd., Nr. 9 v. September 1931, S.  3. 82 Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 7 v. Juli 1926, S.  8. 83 Der Vertrieb von Seife stieß auf heftigen Widerstand der, die Konkurrenz fürchtenden Gewerbetreiben- den ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648/1 (Landesverband für Wien, Nie- derösterreich und Burgenland des Zentralverbandes der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen Österreichs), „Neue Konkurrenten“, in : Der österreichische Lebensmittelhänd- ler, Nr. 51 v. 18.12.1931, S.  12 (Zeitungsausschnitt). 84 Oesterreichs Kriegsopfer, Nr. 10/11 v. Oktober/November 1934, S.  12. 85 Der Zentralverband, dem als Vereinssitz eine große Kaserne in Wien VII, Lerchenfelderstraße zugewie- sen wurde (vgl. Kapitel 9.2.3), vermietete die Räume der ehemaligen Reitschule an ein Transportunter- nehmen ; Nachrichten Zentralverband, Nr. 3/4 v. 15.4.1921, S.  10 ; ebd., Nr. 5/6 v. Mai/Juni 1921, S.  13. 86 Die Kopfschussstation („Heilanstalt für Kopfverletzte und Nervenkranke in Wien“) unterstand direkt dem Ministerium und war in Wien XIX, Krottenbachstraße 4 untergebracht. Die Besonderheit dieser Anstalt lag in der intensiven Betreuung ihrer Patienten, die infolge der Spezifik ihrer Verletzung oft nicht in der Lage waren, ihre Ansprüche anzumelden ; dazu diente ein umfangreiches Archiv, das auch von Kopfver- letzten der übrigen Nachfolgestaaten der Monarchie genützt wurde ; langjähriger Direktor der Anstalt war Otto Buchner ; Otto Buchner, 10 Jahre Kopfschußstation !, in : Der Invalide, Nr. 11 v. November 1928, S.  4. Zur Adresse siehe Nachrichten Reichsverband, Folge 28 v. 19.5.1934, S.  8. In der Kopfschussstation gab es eine eigene Ortsgruppe des Zentralverbandes ; AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648/28 (Kopfschussstation des Landesverbandes für Wien, Niederösterreich und Burgenland des Zentralverbandes der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Kriegerhinterbliebenen Österreichs) 87 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648/1 (Landesverband für Wien, Niederöster- reich und Burgenland des Zentralverbandes der Landesorganisationen der Kriegsinvaliden und Krieger- hinterbliebenen Österreichs), BPDion Wien an MA 4 v. 25.11.1927.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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