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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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454 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 13.2.1.1 Gleichschaltung unter Heimwehr-Einfluss : Der Österreichische Kriegsopferverband Genau diese Spende an den von Emil Fey eingerichteten Fey-Fonds141 entpuppte sich angesichts der neuen politischen Rahmenbedingungen bald als taktisch kluge Entscheidung, war es doch gerade Emil Fey  – der an der Niederschlagung des Feb- ruaraufstandes aktiv beteiligte Major, Heimwehr-Führer, Sicherheitsminister und Vi- zekanzler142  –, der nun auch zum „Reichsführer“ der neu geschaffenen ständestaatli- chen Kriegsopferorganisation avancierte : Fey ordnete Ende Februar 1934 die Bildung eines Einheitsverbandes für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene an und gab der neuen Organisation den Namen Österreichischer Kriegsopferverband.143 Dieser Verein sollte nun für zwei Jahre das Geschehen dominieren, bevor er von einem neuen Verband abgelöst wurde. Organisatorisch herrschte seit dem Februar 1934 Chaos. Offenbar war der Regie- rung schnell klar geworden, dass ein Verein von der Größe und Bedeutung des Zentral- verbandes nicht so einfach liquidiert werden konnte und dass die Zerschlagung seiner Organisationsstruktur nur negative Folgen haben würde.144 Die Durchführung der Fürsorgeaktionen, die Betreuung der Kinderheime, die Beratung und Rechtsvertretung der Mitglieder  – all das hätte unterbleiben müssen, eine über viele Jahre aufgebaute Kompetenz wäre vernichtet worden, ganz abgesehen davon, dass der Zentralverband ja auch ein wirtschaftliches Unternehmen war, Kinos betrieb, Teilhaber an Invalidenun- ternehmen und selbst Arbeitgeber war. Fey machte daher die am 15. Februar verfügte behördliche Auflösung des Verbandes bereits am 19. Februar wieder rückgängig.145 Er ließ die gesperrten Filialstellen und Ortsgruppenlokale neuerlich öffnen, erklärte den Weiterbestand das Vereins, besetzte die Führungspositionen neu146  – und zwar vor allem mit Gefolgsleuten aus der Heimwehr-Bewegung147  –, verpflichtete alle auf 141 Franz Oswald, Die Stellung von Major a. D. Emil Fey in der Politik der Ersten Republik und des Ständestaates, Diss. Wien 1964, S.  120f. 142 Emil Fey (*1886, †1938) ; Ludwig Jedlicka, Fey, Emil, in : Neue deutsche Biographie, Bd. 5, Berlin 1961, S.  117f. 143 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zentralverband der Landesorganisatio- nen der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen Österreichs), Fey an ZV v. 8.3.1934. 144 Konkret dürften Interventionen Otto Buchners, des Direktors der Wiener Kopfschussstation, bei Fey für diese Einsicht ausschlaggebend gewesen sein ; zur Kopfschussstation vgl. FN 86 in Kapitel 11.4. 145 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1494, 16239/1934, Erlass des BKA v. 19.2.1934. 146 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2648 (Zentralverband der Landesorganisatio- nen der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen Österreichs), Fey an ZV v. 8.3.1934. Fey behielt sich das Recht vor, alle Führer in der Zentrale und den Untergruppen zu ernennen. 147 Mit der provisorischen kommissarischen Leitung des Zentralverbandes betraute Fey Hauptmann Vik- tor Tilgner, einen Funktionär aus der Landesführung des Heimatschutzes, des Wiener Zweiges der
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
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