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Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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466 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 mit Kriegsopferfragen zu tun, galt als profunder Kenner der Materie und schien der Regierung der richtige Mann für diese Aufgabe zu sein. Er verkörperte den „Staatsdie- ner“ dabei offenbar so ideal, dass sich auch später, über alle Systembrüche hinweg die unterschiedlichsten Regime seiner Mitarbeit bedienten.220 In Umsetzung seines neuen Auftrages nahm Fahringer 1936 „durchgreifende Kündigungen“221 vor, löste den Ver- band der Kriegsblinden im Mai 1937 endgültig auf,222 liquidierte den Reichsbund223 und widmete sich vor allem intensiv der chaotischen Finanzgebarung des Kriegsopferver- bandes. Der Bürokrat Fahringer war jedoch nur eine Figur des Übergangs ; zum Obmann des Einheitsverbandes bestimmte die Regierung den 61-jährigen Oberst Egon von Waldstätten,224 einen bis dahin in der Kriegsopferbewegung nie in Erscheinung getre- tenen Mann, von dem die Regierung hoffte, dass er von den Kriegsbeschädigten einer- seits als „neutral“ und andererseits  – durch seine eigene Kriegsbeschädigung  – als einer der ihren wahrgenommen würde.225 Dass er freilich Angehöriger des Berufsmilitärs 220 Auch die Nationalsozialisten sprachen nach 1938 von Fahringer nur positiv ; AT-OeStA/AdR ZNsZ Stiko Wien, Kt. 697, 38A-1 1 (Einheitsverband der Kriegsopfer Österreichs), Schreiben an Haueisen v. 11.6.1938. Nach 1945 promovierte Fahringer mit einer Dissertation über die Geschichte der österrei- chischen Kriegsopferversorgung ; Franz Fahringer, Über die Kriegsbeschädigtenfürsorge. Ihre Anfänge und ihr Werdegang in Österreich, Diss. Wien 1953. 221 MRP 1032/7 v. 19.6.1936, in : Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, Abteilung IX, Bd. 5, S.  249–256, hier S.  254. 222 AT-OeStA/AdR BKA BKA-I BPDion Wien VB, VIII 2818 (Verband der Kriegsblinden Österreichs), Fahringer an VB v. 24.5.1937. 223 Der Reichsbund wurde im Mai 1937 aus dem Vereinskataster gelöscht ; ebd., VIII 2864 (Reichsbund der Kriegsopfer Österreichs), BPDion Wien an BMI v. 6.3.1954. 224 Von Waldstätten (*1875, †1951) verlor im Ersten Weltkrieg ein Bein, war danach als Invalider  – wenn- gleich auf eigenes Ansuchen nach wie vor im Aktivstand des Militärs  – bis 1924 im Kriegsarchiv und zuletzt, selbst Inhaber eines Tabakverlags, in verschiedenen Funktionen bei Verbänden der Ta- bakverleger tätig ; AT-OeStA/AdR StAfHW/RK, Reichskommission A, Egon Waldstätten. Während seiner nur knapp zwei Jahre währenden Obmannschaft im Einheitsverband war er auch Mitglied des Kuratoriums des Kriegsgeschädigtenfonds und ab März 1937 Mitglied des Staatsrates ; MRP 1032/7 v. 19.6.1936, in : Protokolle des Ministerrates der Ersten Republik, Abteilung IX, Bd. 5, S.  249–256, hier S.  255, FN 27. Von Waldstätten fungierte zudem als amtsführender Stellvertreter des ersten Führers der 1937 geschaffenen Österreichischen Altsoldatenfront ; „Kriegsopferverband und Altsoldatenfront“, in : Österreichische Kriegsopferzeitung/Einheitsverband, Nr. 8 v. August/September 1937, S.  4. 225 Der Obmann sollte zwar durch Wahl bestimmt werden, doch wurde die Wahl bis auf weiteres ausge- setzt und für eine nicht näher umrissene Übergangszeit durch den Vorgang der Ernennung (durch den Bundesminister für soziale Verwaltung) ersetzt ; BGBl 1936/203, § 14. Von Waldstättens Stellvertre- ter wurde Johann Großauer (*1893, †1967). Der Kärntner war Funktionär der christlichen Gewerk- schaftsbewegung, 1935–1938 Mitglied sowohl des Staatsrates als auch des Bundestages und nach dem Zweiten Weltkrieg (1945–1953) als Mandatar der ÖVP Mitglied des Bundesrates. Vor seiner Berufung bekleidete er unter Sozialminister Odo Neustädter-Stürmer das Amt des Staatssekretärs für die An-
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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