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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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472 Von der Offensive in die Defensive  – Der Zentralverband 1923 – 1938 Die Frage der Geduld stellte sich schon bald nicht mehr. Als die österreichische Vereinslandschaft nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 gleichgeschaltet wurde, bedeutete das auch das Ende des österreichischen Einheitsverbandes. Er wurde zuerst unter kommissarische Verwaltung gestellt255 und im Sommer 1938 mit seinem gesamten Vermögen in sein reichsdeut- sches Pendant, die NS Kriegsopferversorgung, überführt.256 Dem prononciertesten Ver- treter der österreichischen Kriegsbeschädigten, Maximilian Brandeisz, der schon seit mehr als einem Jahrzehnt wegen seiner jüdischen Herkunft diversen Diffamierungen ausgesetzt, zuletzt aber nicht mehr aktiv gewesen war, gelang unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme über Italien, die Schweiz, Frankreich, Spa- nien und Portugal schließlich im April 1941 die Flucht in die USA, wo er  – seit 1949 US-amerikanischer Staatsbürger  – bis zu seinem Tod im Jahr 1996 lebte.257 Ei- nen Kriegsopferverein, der seine Funktion als Interessenvertretung wahrnahm, gab es in Österreich erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder, als 1945 der von Anfang an als überparteiliche Organisation geschaffene Österreichische Kriegsopferverband gegründet wurde.258 13.2.3 Resümee : Die Idee einer einheitlichen Kriegsopfervertretung und ihre Perversion Die Idee, dass Kriegsbeschädigte eine Gruppe bildeten, deren Mitglieder schon im Krieg als verwundete oder erkrankte Soldaten die gleichen Erfahrungen gemacht hatten und später als befürsorgte Rentenempfänger wieder machten, führte früh zur Vorstellung, dass diese Gruppe gemeinsam auftreten sollte, um ihre Rechte zu wah- ren. Die Idee des Einheitsverbandes war so alt wie die Invalidenbewegung selbst. In Österreich wurde sie vor allem vom Zentralverband vertreten, der auch tatsächlich anfangs  – trotz verschiedener Abspaltungen in Wien  – das Feld allein beherrschte und selbst später  – als der Reichsbund hinzukam  – seine übermächtige Stellung behaupten konnte und bis zum Februar 1934 die mit Abstand wichtigste Kriegsbeschädigtenor- ganisation Österreichs war. 255 Kommissarischer Leiter aller Kriegsopferverbände war Josef Buhl. 256 Zur Auflösung des Einheitsverbandes siehe AT-OeStA/AdR ZNsZ Stiko Wien, Kt. 697, 38A-1 1 (Einheitsverband der Kriegsopfer Österreichs). 257 Zu den biografischen Daten siehe AT-OeStA/AdR E-uReang Hilfsfonds, 19386 ; ebd., 5243 ; ebd., 13072 ; http://www.parlinkom.gv.at/WW/DE/PAD_00161/pad_00161.shtml (Abfrage : 4.5.2012) ; Ma- xi milian Brandeisz, „Das Hakenkreuz hat uns davor bewahrt, verhaftet zu werden“, in : Gerhard Jelinek (Hg.), Nachrichten aus dem Vierten Reich, Salzburg 2008, S.  45–50. 258 Friedrich Karrer, Geschichte der Kriegsopferorganisationen 1919–1979, in : Wilhelm Hasiba (Hg.), 60 Jahre Kriegsopferversorgung in Österreich, o. O. [Wien] 1979, S.  37–40.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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