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491Die
weitere Entwicklung der Zahlen bis 1938
Bei den Empfängerinnen und Empfängern von Hinterbliebenenrenten ist die Entwick-
lung eine völlig andere (Diagramm 4). Die Verringerung der Gesamtzahl ist hier – wenn
man die gesamte Zeitspanne betrachtet
– durchaus dramatisch. Während sie in den ersten
Jahren noch stieg, sank sie dann zwischen 1927 und 1938 von rund 124.000 auf 52.000,
was einer Verringerung um fast 60 Prozentpunkte entspricht. Aus der Grafik lässt sich
unmittelbar ablesen, dass sich dieser Effekt fast eins zu eins aus der Abnahme der Zahl der
Waisenrentenempfänger und Empfängerinnen ergab, was wiederum mit der schlichten
Tatsache zusammenhängt, dass Waisenrenten im Normalfall nur bis zum 18. Lebensjahr
bezogen werden konnten und daher mit jedem Jahr eine vorhersehbare Zahl der Waisen
aus dem Bezug herausfiel. Dagegen blieb die Zahl der Witwen zwischen 1927 und 1938
nahezu konstant, was aber nicht zu dem Fehlschluss verleiten darf, dass die Gruppe der
Witwenrentenempfängerinnen tatsächlich stabil war. Es könnte durchaus sein, dass die
Zahl jener Witwen, die den Rentenanspruch wegen einer Wiederverheiratung verloren,
durch ein verstärktes Hinzukommen von Frauen, die einen Anspruch erstmals erwar-
ben, weil ihr kriegsbeschädigter Ehemann verstarb, kompensiert wurde. Das Sinken der
Zahl der sonstigen Hinterbliebenen erklärt sich höchstwahrscheinlich daraus, dass diese
Gruppe, der mit den Eltern oder Großeltern des Gefallenen eher ältere Personen ange-
hörten, eine Reduktion vor allem durch Todesfälle erfuhr.
Diagramm 4 : Gesamtzahl der Hinterbliebenen in Österreich, 1922–1938
Quellen : vgl. Diagramm 1
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Hinterbliebenerenten-
bezieher/innen gesamt
Witwenrentenbezieherinnen
Waisenrentenbezieher/innen
andere Hinterbliebene (Eltern,
Großeltern, Geschwister)
* Für die Jahre ohne Datenpunkte konnten keine Zahlen gefunden werden. Die Angaben für das Jahr 1922
sind Schätzungen, die auf der angenommenen Gesamtzahl von 143.000 Kriegsbeschädigten beruhen.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Die Wundes des Staates
- Subtitle
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Authors
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 586
- Categories
- Geschichte Nach 1918