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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Page - 504 -
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504 Statistik der Kriegsopfervereine 15.2 Zahlen 15.2.1 Hoher Organisierungsgrad zu Beginn Die ersten von österreichischen Kriegsopfervereinen überlieferten Mitgliederzahlen sind nicht überprüfbar. Eine geordnete Mitgliederzählung war in den chaotischen Wochen und Monaten nach dem Ende des Krieges auch gar nicht möglich. Selbst nach einjähriger Tätigkeit konnte der Zentralverband in Ermangelung eines, ganz Österreich umfassenden, Zentralkatasters noch immer keine genauen Angaben über die Anzahl der von ihm vertretenen Personen machen.22 Trotzdem hatte er schon im Jänner 1919 selbstbewusst von 170.000 oder gar 200.000 Mitgliedern gesprochen.23 Für das Staatsamt für soziale Verwaltung waren die genauen Mitgliederzahlen des Zentralverbandes anfangs noch irrelevant, durfte dieser zunächst doch noch „als die nahezu restlose Vertretung der Invalidenschaft angesehen werden“24. Das änderte sich erst mit der Bildung anderer Vereinigungen im Laufe des Jahres 1919. Das Staatsamt hatte nun ein begründetes Interesse an einem nachvollziehbaren Überblick über die Mitgliederzahlen der einzelnen Vereine und verpflichtete sie auf die Vorlage genauer Mitgliederverzeichnisse.25 Die erste, auf Wunsch des Staatsamtes durch die Invaliden- entschädigungskommissionen durchgeführte Erhebung zog sich von Mitte 1919 bis gegen Ende 1920 über mehr als ein Jahr hin.26 Die einlangenden Mitgliederangaben waren zum Teil bloße Schätzungen und konnten oft schon damals nicht überprüft wer- den, sie bezogen sich darüber hinaus auf völlig unterschiedliche Stichtage, was gerade in dieser Anfangszeit, als das Feld stark in Bewegung war, ein zusätzliches Problem darstellte. Dennoch deuten die Informationen auf einen sehr hohen Organisierungs- grad hin. Wie weiter oben bereits ausgeführt, waren im Herbst 1919 offenbar allein in Wien etwa 120.000 Personen in Kriegsbeschädigtenvereinen organisiert.27 Zusammen mit den Meldungen aus den übrigen Bundesländern kommt man für 1919/1920 auf 22 „Ständige Fürsorgekommission für Invalide“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 4 v. Mai 1920, S.  3f. 23 A[rtur] v. Sch[iel], Der Zentralverband der deutschösterreichischen Kriegsbeschädigten. Werden, Auf- gabe und Organisation, in : Der Invalide, Nr. 1 v. 1.1.1919, S.  2f, hier S.  2 ; A[dolf] Deutsch, Merkblatt für Invalide. Zur Wiedereinführung ins Erwerbsleben, in : ebd., Nr. 3 v. 1.2.1919, S.  1–3, hier S.  1. 24 Staatsamt für soziale Verwaltung, Amtliche Nachrichten, Wien 1920, S.  35 ; vgl. auch AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1367, 21310/1919. 25 StGBl 1919/591, § 4. AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1369, 36951/1919, Kundmachung v. 5.1.1920. 26 Auf die erste, im August 1919 ergangene Aufforderung an die Invalidenentschädigungskommissionen langten aus manchen Bundesländern zunächst gar keine Meldungen ein. Bei einer Mitte Mai 1920 im Staatsamt für soziale Verwaltung abgehaltenen Sitzung konnten die Vertreter mancher Invalidenent- schädigungskommissionen vollständige Daten der Kriegsbeschädigtenorganisationen immer noch nicht liefern, weshalb das Staatsamt nochmals genaue Anweisungen erteilte ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, 11309/1920. 27 Ebd., Kt. 1559, Sa 44, 27588/1919 ; vgl. auch Kapitel 9.1.1.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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