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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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Page - 506 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

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506 Statistik der Kriegsopfervereine in diesem Gebiet nur etwas mehr als die Hälfte der Kriegsopfer zu Hause war.29 Der Organisierungsgrad war in den östlichen Bundesländern also besonders hoch, was un- zweifelhaft auf die Dominanz der Hauptstadt Wien zurückzuführen ist, die als einzige Großstadt des Landes mit ihren fast zwei Millionen Einwohnern nahezu ein Drit- tel der österreichischen Bevölkerung beherbergte, die in den ersten Nachkriegsjah- ren sicherlich als ein besonders politischer Ort anzusehen ist und die sich  – bis 1934 durchgängig sozialdemokratisch regiert  – in einem scharfen politischen Kontrast zum Rest des Landes befand. Zur Organisationsbereitschaft der möglicherweise also durch diese Bedingungen stärker politisierten städtischen Bevölkerung kam sicherlich auch die Tatsache, dass die Not der Nachkriegsjahre in der Stadt besonders spürbar war und sich viele vom Beitritt zu einer Interessenvertretung einfach auch eine Verbesserung ihrer persönlichen Lage versprachen. Wenn man die angeführten Zahlen auch nach der Vereinszugehörigkeit auswertet (siehe Tabelle 22), so zeigt sich, dass  – mit Ausnahme von Wien, wo die Vereinsland- schaft bedeutend aufgesplitterter war als in den Bundesländern, und mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg, wo es separate Witwenorganisationen gab  – die allermeis- ten Kriegsopfer, nämlich 86 %, den Zentralverband respektive einen seiner Landes- verbände als Vertretung wählten. In der Steiermark waren Ende März 1920 20.760 Betroffene im Landesverband30 organisiert, in Oberösterreich war der Mitgliederstand des Landesverbandes mit etwa 16.000 ebenfalls sehr hoch. Diesen beiden Vereinen folgte die seit 1918 bestehende Invalidenorganisation Salzburgs31 mit 5.700 Mitglie- dern. Der Anfang 1919 gegründete Kärntner Landesverband hatte 4.000 Mitglieder, der Tiroler Landesverband32 fast 6.300, und der bereits im Dezember 1918 entstan- dene Vorarlberger Landesverband, der Invaliden-Verband Vorarlberg, zählte Mitte 1919 knapp 2.100 Mitglieder.33 29 Das zeigen die Zahlen der Anmeldungen auf Leistungen nach dem IEG ; vgl. Tabelle 17 in Kapi- tel 14.1.1. Auch die Verteilung der österreichischen Wohnbevölkerung auf die einzelnen Bundesländer folgte diesem Muster : Rund die Hälfte der in Österreich ansässigen Menschen lebte in Wien und Nie- derösterreich ; 56 % waren es 1920 ; Statistisches Handbuch für die Republik Österreich, Wien 1920, S.  8. 30 Der Verein nannte sich Landesverband der Kriegsbeschädigten, Kriegerwitwen und Waisen ; AT- OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 44, 3088/1920, LV an StAfsV v. 13.11.1919. 31 Dieser Verein, dessen offizielle Konstituierung erst im März 1919 erfolgte, war Landesverband des Zen- tralverbandes und nannte sich auch Kriegsinvaliden-, Witwen-, und Waisenorganisation Salzburg ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, 28736/1919. 32 Der Verein nannte sich Landesverband der Kriegsinvaliden Tirols in Innsbruck ; ebd., Kt. 1559, Sa 44, 1607/1920, IEK Tirol an StAfsV v. 8.1.1920. 33 Ebd., Kt. 1559, Sa 44, 28736/1919, IEK Vorarlberg an StAfsV v. 30.9.1919 ; Satzungen ; Ortsgruppen- Einteilung v. 1.7.1919.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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