Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Page - 515 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 515 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Image of the Page - 515 -

Image of the Page - 515 - in Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938

Text of the Page - 515 -

515Zahlen Jahre etwas zugunsten des Reichsbundes verschob. Das legt jedenfalls die einzige je- mals durchgeführte Auszählung nahe, die für das Burgenland (die Auszählung fand nur dort statt)  – im Jahr 1928 ein Verhältnis von 75 % im Zentralverband zu 25 % im Reichsbund organisierten Kriegsbeschädigten ergab.62 Die allgemeine politische Entwicklung  – die sich in den 1920er- und 1930er-Jahren zuspitzende ideologische Polarisierung, die Tatsache, dass die sozialdemokratische Partei nach 1920 nie mehr an der Regierung beteiligt war, sowie der ausgeprägte und sich auch noch verschär- fende Gegensatz zwischen dem „Roten Wien“ und den christlichsozial und katholisch geprägten ländlichen Gebieten  – fand auf diese Weise auch in der Entwicklung der Kriegsopfervereine ihren Niederschlag. Die genannten Daten zum zahlenmäßigen Verhältnis der Mitglieder des Zentral- verbandes zu den Mitgliedern des Reichsbundes (92 zu 8 für die Steiermark im Jahr 1921 und 75 zu 25 für das Burgenland im Jahr 1928) können noch ergänzt werden durch den Aufteilungsschlüssel für Mandate. Auch dieser vermittelt ja einen gewis- sen Eindruck von den Kräfteverhältnissen der beiden Verbände, und er lag, wie oben ausgeführt, bei 66 zu 34. Dieser Verteilungsschlüssel blieb jahrelang aufrecht. Ob er das Kräfteverhältnis halbwegs exakt widerspiegelte, ist unbekannt, aber dass er es tat, durchaus möglich. Zentralverband und Reichsbund sahen sich jedenfalls wechselseitig benachteiligt. Während das Sozialministerium angesichts der mangelhaften Mitgliederlisten63 An- fang 1923 noch resignierte und lapidar feststellte, dass „einerseits ein Bedürfnis für eine solche Ueberprüfung nicht vorliegt, andererseits aus politischen Gründen zur Vermei- dung von allerlei Weiterungen eine solche nicht ratsam erscheint und es sich daher empfehlen [dürfte], auch für dieses Jahr bis auf Weiteres von einer solchen Ueberprü- fung abzusehen“,64 war die Situation vier Jahre später eine andere. 1927 beschloss das Ministerium erstmals, zur Klärung der Situation die Mitglieder der Wiener Vereine wirklich auszuzählen. Der Zentralverband und der Reichsbund erklärten unisono, vor einer solchen Zählung keine Angst zu haben und jeweils selbst Urheber der Idee zu 62 Zu dieser Auszählung siehe weiter hinten. 63 Die Erstellung dieser Listen war offenbar vor allem für die mitgliederstarken Verbände eine große fi- nanzielle Belastung. Der steirische Landesverband des Zentralverbandes schrieb : „Wenn zwar der Lan- desverband die Notwendigkeit einer amtlichen Ueberprüfung der Mitgliederstände anerkennt, so kann er sich doch der berechtigten Ansicht nicht verschliessen, dass durch die alljährlich vorzulegenden ge- samten Listen nicht nur grosse materielle, sondern auch schwere finanzielle Opfer seitens der Organisa- tionen gebracht werden müssen […]. Abgesehen von der unnützen Zeitvergeudung für die Anfertigung dieser Verzeichnisse stellt diese Arbeit insbesonders an die grösseren Ortsgruppen Anforderungen, die mit deren finanziellen Lage nicht in Einklang gebracht werden können“ ; ebd., Kt. 1396, 7291/1922, LV Steiermark an BMfsV v. 7.3.1922. 64 Ebd., Kt. 1395, 5098/1922, Akt v. 17.2.1923.
back to the  book Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938"
Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die Wundes des Staates