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ßischenMinistervonSchrötternndvon
Voß verliehen. Die hinlängliche Muße,
die ihm sein Amt ließ, verwendete er znr
Organisirung des Freimaurcrthums, was
ihm Anfeindungen von allen Seiten zu
zog und zuletzt seinen Austritt aus allen
Logen-Verbindungen (am 5. Sept. 1802)
veranlaßte. Eine m jener Zeit unter-
nommene Reise durch Teutschland brachte
ihn mit den Koryphäen der Wissenschaft
und Literatur in Verbindung u. A< mit
Reimarus, Klopstock, Gleim, mit
Tischbein, Jacobs, Schlichtegroll,
mit Herder, Paulus, Schütz, Hufe-
land, Schell ing, Schlegel. Tieck,
Adelung und Maler Graf. Die Erin-
nerungen an jene Reise und insbesondere
an seine Gespräche mit Herder hatten
den tiefsten Eindruck auf F. gemacht und
in sein späteres Denken und Anschauen
bestimmend eingegriffen. Am 22. Nov.
1802 hatte er
sich
zum zweiten Male und
diesmal glücklich mit Karoline Marie
Wegeli, einer Fabrikantentochter aus
Berlin, vermalt. Unweit Berlin kaufte
er 1803 ein kleines Freigut Kleinwall,
aber als er den Gehalt, den ihm seine
provisorische Stelle eintrug, wegen Auf-
lösung derselben, verlor und die Kriegs-
jahre das kleine Erträguiß seiner theuer
gekauften Besitzung sehr schmälerten, ge-
rieth F. in eine sebr bedrängte Lage, das
Gut mußte er verkaufen und nur die
Ergebung, mit welcher seine Frau das
traurige Loos mit ihm theilte, hielt ihn
selbst aufrecht. Damals lebte F. von lite-
rarischen Arbeiten und in jene Zeit fallen
die Romane: „Mölarb und Heimse"; — „Ghe-
rrsill"; — „Nllnüvenwrll's mystische Nächte" ;
— „Alllnza ckn der Wanderer nach Monserrat"
Isiche S. 205 d), F.'s schöngeistige Schrif-
teu). Schon stieg seine Noth am höchsten,
als seine vor Jahren bereits erschienenen
philologisch-orientalischen Arbeiten 1810
seine Berufung als Professor der orien-
talischen Sprachen und Philosophie an die Alexander Newsky- Akademie zu St.
Petersburg mit 2600 Rubeln Gehalt zur
Folge hatten. Aber noch im nämlichen
Jahre von einem seiner Collegen als An-
hänger Fichte's verdächtigt, bat F. um
seine Entlassung und wurde mit gleichem
Gehalt als Correspondent bei der Gesetz-
commission angestellt. Zugleich blieb ihm
die Wahl eines Aufenthaltsortes im Reiche
frei. Im März 1811 zog F. nach Wolsk
im Gouvernement Saratow, wo er die
Aufsicht über ein von dem Collegienrath
von Slob in gegründetes Erziehungs-
Institut führte. In Folge von Einschrän-
kungen, welche Slo b in vornahm, verlor
F. diese Nebenbeschäftigung und auf fei-
nen Gehalt als Correspondent der Gesetz-
commission beschränkt, zog er am 25.
Februar 1813 mit seiner Familie nach
Saratow. In die Zeit seines Aufenthal-
tes in Wolsk und Saratow fällt der Be-
ginn der Abfassung seiner „Geschichte An-
gmns". Im 1.1815 traf aber den 60jäh-
rigen Mann die erschütternde Nachricht
von der Einziehung seines Gehaltes. F.
war nun wieder auf seinen literarischen
Erwerb und auf Unterstützungen seiner
Freunde in Petersburg, Freiberg in
Sachsen, Pesth und Preßburg beschränkt.
Eine glückliche Wendung nahm seine Lage
erst, als er am 1. Sept. 1817 mit der
Zahlung des ganzen rückständigen Gehal-
tes und die Zusicherung erhielt, denselben
auch für die Folge zu beziehen. Im näm«
lichen Jahre erfuhr F. auch einen andern
Beweis kaiserl. Huld, als sein Sohn in
die adelige Pensionsanstalt zu Zarskoe-
Selo kostenfrei aufgenommen wurde.
Als endlich im 1.1818 der russ. Kaiser den
evangelischen Glaubensgenossen gleiche
Rechte mit den übrigen Confessionen er-
theilte und ein evangelisches Neichsconsi-
storium mit einem weltlichen uud geistli-
chen Präses errichtete, wurde F. im
Nov. 1819 zum Bischof der evangelischen
Kirche und zum geistlichen Präses des
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon