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Charakters als Mensch. Daß ein so vielbe-
wegtes Leben wie das seinige manchen Miß-
deutungen ausgesetzt sein mußte, ist leicht
erklärlich. Von Wenigen ganz gekannt, von
Einzelnen theilweise verstanden, von VKl
zu Etwas gemacht, Was er gar nicht war,
stand F. unter feinen Zeitgenossen als eine
räthselhafte Erscheinung da Wenige
Schriftsteller haben in ihren Werken den Gang
ihres geistigen Lebens fo fcharf abgemessen,
so bestimmt gezeichnet, als F. Man fühlt bei
seinea Schriften, daß er selbst alle Stufen
durchgegangen sein mußte, des Glaubens,
des Zweifels, des Wissens, daß er aber, nach
dem der erste verloren war, von dem letzten
nicht befriedigt, mit Besonnenheit seinen
Verstand gefangen hielt, um in der Anschauung
und Gefühlsreligion Befriedigung seiner Sehn-
sucht zu finden." —Horn (Fr.), Poesie und
Beredsamkeit der Teutschen II I . Bd. S. 434.
— Gerv inus (G. G.), Geschichte der
deutschen Dichtung (Leipzig 1853, Engelmann,
gr. 8«.) 4. Aufl. V. Thl. S. 325 lreiht F.
an Meißner an, von dem er sagt, daß er
mit dem „Alcibiades" die selbstgefälligen und
unsäglich hohlen historischen Erzählungen, die
sich noch ganz wie die Sachen des 17. Jahr-
hunderts in Geschichtgedichte und Gedicht-
geschichten abtheilen lassen, je nachdem die
Erdichtung oder die Geschichte vorherrscht, er-
öffnete. Auf seinem Wege ging I . A. Feßler,
der 1790 mit dem „Marc Aurel" seine Reihe
von histor. Romanen eröffnete"). — Eich
Horn (Ioh. Gf.), Geschichte der Literatur
von ihrem Ursprünge bis auf die neuesten
Zeiten (Göttingen 1805 u. f., gr. 8'.) IV. Bd.
2. Abtheil. S. 1104. ^Spricht sich gegen den
historischen Noman als eine Zwittergattung
aus, welche der Heiligkeit der Geschichte uiel
zu nahe trete. So viele Wahrscheinlichkeit
und Anmuth auch die Fiction . . . in F.'s
„Marc Aurel" und in ähnlichen Halbromanen
haben mag, so wäre doch zu wünschen, daß
Geschichte und Roman geschieden blieben."1
— F. selbst urtheilt aber über seine Schriften
wie folgt: „Meine Schriften sind durch die
öffentliche Stimme der Kritik mehr gelobt
als getadelt worden. . . . Ich wünschte, daß
nie bloße Aesthetik« zur Beurtheilung über-
nommen hätten, was nur für den religiösen
Philosophen einigen Werth haben konnte.
Ich wünschte, daß meine Schriften Niemand
zum Zeitvertreibe in die Hand genommen
hätte, noch in Zukunft zum Zeitvertreibe in
die Hand nehmen möge; denn nicht dazu,
sondern zur Zeitbrnützung für mich und An-
dere, denen das Leben des Geistes, wie mir,
hoher Ernst, nicht leichtsinniges Spiel ist, und die auf denselben Wegen, wie ich, irren
und schwanken, sind sie geschrieben." Diese
in den letzten Jahren seines Lebens ausge-
sprochene Ansicht F.'s über seine eigenen
Arbeiten ist zu ihrer Beurtheilung nicht un-
wesentlich.
IV. F/s Porträte. 1) Unterschrift: Dr. ^essler
(F. Rosmäsler HuQ. 1820, Zwickau, b. Geb.
Schumann, 4°.). — 2) Unterschrift: ^. ^.
5iiL5lor. Kleines Medaillonbild 32°. Ohne
Angabe des Zeichners, Kupferstechers u. Ortes.
Der Kopf im Profil nach rechts. — 3) Un-
terschrift: 5e85isr. Gemalt von Wasilief in
Asien, gez. u. gest. von Nosmäsler in Dresd.
1826, 8". — 4) Unterschrift: ,7. ^. ?638isr.
Ohne Angabe d. Zeichn., Kupferst. u. Ortes.
Im Medaillon. Der Kopf nach rechts. —
5) Kupferstich. Leipzig, Karl Geibel, 4°.
Festari, Girolamo (Arzt, geb. zu
Valdagno im Vicentin'schen 12. Oct.
1738, gest. ebenda 3. Juli 1801). Sein
Vater war Arzt und der Sohn ergriff
den Stand des Baters. Im I . 1778
übertrug ihm die Republik die Direction
der Bäder von Recoaro, zu deren Hebung
F. wesentlich beitrug. Zugleich trieb er
geologische Studien, namentlich über die
Gebirge seiner Heimat, und schrieb: „Kag-
coiio 5tato ailstT'iact)" (im
1773, IX. Lä.); —
(in des Abb6 Fortis: „Ns>
pour servir g. I'liigtoii-o natu-
k ä6 I'lwii?« (?2i-i3 1802, 8°.).
der venetianische Senator Quer ini
im Auftrage der Regierung eine Politisch
staatswirthschaftliche Neise unternahm,
wählte er F. zu seinem Begleiter, der
auf Mineralogie, Sitten- und Cultur-
zustande der Länder, durch welche er kam,
ein besonderes Augenmerk richtete. Sein
Reisejournal gab Cicogna lauge nach
F.'s Tode (1835) heraus. Es enthält
mehreres Interessante, auch Nachrichten
über manche hervorragende Personen je-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon