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jener Periode, iu welcher Bern in
und Genossen den Verfall der Kunst znr
Thatsache werden ließen, auch jene Män>
gcl iu sich aufnahm, welche dic freie künst-
lerische Entwicklung seines Genius ver-
eitelten und von seinen Tadlern an seinen
Werken hervorgehoben werden, um sein
seltenes Talent zn bestreiten. Aber die
Wahrheit spricht lauter als Alles; seine
nud feines Sohnes Bauten stehen sammt
ihren wirklichen Mängeln noch jetzt als
Zeugen einer einst in Oesterreich bestan-
denen architektonischen Kunst da, während
Alles, was die spätere Zeit mit wenigen
Ausnahmen hervorbrachte, als trauriger
Zeuge eiuer Entartung der Kunst ohne
Gleichen u. einer bedauerlichen Geschmack-
losigkeit ohne Kraft und Geist seelenlos
in die Lüfte starrt. Balv richtete sich die
Aufmerksamkeit auf den tüchtigen Künst-
ler, man wählte ihn zum Lehrer der Ar-
chitektur für den Erzherzog Joseph, nach-
maligen Kaiser IosephI., und übertrug
ihm den Ban eines Sommerpalastes für
denselben, womit 1696 der erste Grund
zu dem heutigen imposanten Schönbrunn
gelegt wurde. F. wurde nun Hofarchi-
tekt und führte als solcher eine Reihe
großartiger Bauten aus, welche noch in
der Gegenwart ihre Wirkung nicht ver-
fehlen. Wir führen nur die vorzüglich-
sten an. An die Stelle der alten unan-
sehnlichen Peterskirche kam 1702 die
jetzige, wozu F. den Entwurf machte und
dereu Bau er leitete; ferner erbaute er den
„Plllll5t deZ Prinzen Gngen", iu der Himmel-
Pfortgasse (das heutige Finanzministe-
rium) ; — „Nie vereinigte Mkauzlei", in der
Wipplingergafse (das heutigeMiuisterium
desIuueru); — „NnsNaGyMIche Palais",
auf der Freiung; — „Nus Grllntzon'zche
Palms", iu der Vorstadt St. Ulrich (wo
bis 1648 die ungar. Garde sich befand);
— „Nie Nurlskirche", wozu in Folge eines
Gelöbnisses des Kaisers Kar l VI . , als
171Z in Wien die Pest wüthete, am 4. Febr. 1716 der Grundstein gelegt, der
Plan von F. entworfen, die Bauleitung
aber dem Architekten Mar t iuc l l i über-
tragen wurde; — ferner die Entwürfe zur
vormaligen Staatskauzlci (heute Ministe-
rium des Aeußern); — zum Hofbibliothek-
Gebäude; — zur Reichskanzlei; — zur kais.
Reitschule; — zu den kaiserl. Stallungen.
Außerhalb Wien die Universitätskirche in
Salzburg, zu welcher am 6. Mai 1696
der Grundstein gelegt und die am 10. Mai
1707 eingeweiht wurde, das Lustschloß
Kleßheim n, m. a. Als die großen Kriegs-
wirren die Ausführung vou großen Bau-
werken hinderten, beschäftigte sich F. mit
Fachstudien, und iu jene Zeit fällt die
Vollendung seines Werkes: „Gntwnrt einer
lziItllriöchrli Architektur in Abbildungen neröchie-
denrr berühmter Gebäude des Alterthums und
fremder Völker" (Leipzig 1725, Fol.). Der
Text dazn ist von Heraus; die 93 mit-
telmäßig ausgeführten Tafeln stellen:
1) hebräische, egyptische, syrische, persische
und griechische, 2) römische, 3) arabische,
türkische, neupersische,chinesische, japanische
Bauten, 4) Gebände eigenerErsinduug nnd
5) griechische, römische Basen und mehrere
eigene Cousiruttionm vor. F. starb im
Alter vou 73 Jahren, wie es heißt aus
Kränkung über das Mißlingen des Banes
der kaiferl. Stallungen.
Oestr. Nat.--Encyklopädie (von Gräf fer und
Czitann), (Wien 1835) I I . Vd. S. 147. —
Annalen der bildenden Künste für die österr.
Staaten. Von H. Nud. Fueßl i (Wien 1801,
8".) I. Thl. S. 1 : „Geschichte dcr bildenden
Künste in Wien" ^daselbst S. 10 Anmerkung,
Erlachs Todesjahr 1724 und seines Sohnes,
der daselbst „Esajas Gmanuel" heißt, To-
desjahr 1738^. — Gräffer (Franz), Kleine
Wiener Memoiren (Wien 1845, Veck, 8".)
I. Bd. S. 14: „Damvfmaschine" lgibt Nach-
richt über F.'s in der Lebensstizze erwähnte
Feuermaschine^. — Wiener Nealzeitung 1777
vom 19. August. — Derselbe, Wiener Dosen-
stücke (Wien, Mörschners Witwe, 3".) I. Bd.
S. 157. — Nagler (G. K. Dr.), Neues allg.
Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8".)
IV. Bd. S. 346 lnach diesem gest. 17241.
- Mstller (Fr. Prof.), Die Künstler aller
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon