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er seine „Gröber" dichtete, bis er 1803
nach Eeretti's Tode die Lehrkanzel der
Beredsamkeit an der Universität zu Pa-
via erhielt. Bemerkenwerth ist die Aeu
ßerung des Vicekönigs Eugen Beauhar-
n ais, gelegenheitlich der Verleihung die-
ser Lehrkanzel an F., „daß ihm die drei
Poeten, welche er imHeere habe, Foscolo,
Gasparinetti und Ceroni mehr zu
schaffen geben, als das ganze Heer". F.'s
Vorträge erfreuten
sich des Beifalls der
Jugend; da er aber im Gegensah zu sei-
nem früheren Verhalten sowohl Napo-
leons Lobredner zu sein verweigert, als
in feinen Vortragen jede Gelegenheit be-
nüzt hatte, Napoleons Handlungen
und System anzugreifen, verlor F. diese
Stelle, wie überhaupt sein Verhalten die
Ursache gewesen sein soll, daß die Lehr-
kanzel der Beredsamkeit an allen Univer-
sitäten des Königreichs Italien aufgeho-
ben wurde. Die Aufführung seines
„Ajax", welcher dessen Kampf mit Ulysses
zum Gegenstande hat, hatte zur Folge,
daß F. die Lombardie verlassen mußte.
F.'s Feinde streuten aus, daß unter Aga-
memnon der Kaiser Napoleon und
unter Ajax der General Moreau ge-
meint seien: während Andere wieder
anläßlich dieses Stückes das Epigramm
auf F. schrieben:
Oopiö 5S 5t«50 e si Hvi^s in t^s.
AlsNapoleonsMacht stürzte und 1814
das Königreich Italien sein Ende erreichte,
nahm F. wieder Kriegsdienste und. wurde
von der Regentschaft in Mailand zum
Escadrons-Commandanten ernannt. Mit
einem Male aber verschwand er, hielt
sich einige Zeit in Zurigo verborgen, bis
er in England eine gastliche Zustuchtftätte
fand, wie er selbst schreibt: „listo uiäo,
osoH äolos, aurg. ooetsse-'. Dort unter
Wechseluden Schicksalen, im Gedränge großer Geldverlegenheiten, zog er sich
endlich nach Turnham, ein an der Themse
nicht fern von London gelegenes Dorf
zurück, wo ihn seine Landsleute und d«
Engländer oft besuchten, letztere reichlich
für seine Bedürfnisse sorgend. An dem
Tage, an welchem er seine Seele aus«
hauchte, besuchte ihn noch Eapodiftria.
F.'s Schriften, theils von ihm selbst, theils
nach seinem Tode von Andern herausge-
geben , sind: „ Mtime letts»-s cli /ao<y>»
0?-ti5" (zuerst 1802) und dann oft wieder
am besten London 1817,12°. in 2 Bdn.
mit 2 Porträten ftergl. Ebert, Bibl.
LeMn Nr. 7825), auch deutsch von
Luden (Leipzig 1807), Kasp. v. Ore l l i
(Zürich 1817) u. Lautsch (Leipz. 1329,
Brockhaus); diese Briefe
sind mit vorherr-
schender polit. Tendenz eine Nachahmung
von Goethes „Werther", worin er seinen
Liebesschmerz um Isabella Noncioni,
nachmalige Gattin des Marchese Barto-
lommei, mit den Klagen über die Ver-
sunkenheit seines Baterlandes verbindet;
F. sagt darüber, „daß er
sie
mit seinem
Blute geschrieben habe." Die Kritik hob
ebenso die Vorzüge dieses Buches hervor,
als sie die großen Gebrechen desselben
nicht übersah; — „OaHions a
1829)) pomphaften öfter schwülstigen
Styles, worin ihm Bonaparte noch
ein ganz anderer erscheint, als später,
da er jeden Anlaß benutzte, ihn und sein
System anzugreifen; —
s <ie/l' «Acio
I»Qä1809, 3°.), reich an großen Schön-
heiten, aber nicht immer verständlich; —
) im Charakter dem vori"
gen gleichend; —„Iag^i <5oz?»-a il ?^e^
in inZfls^ s s t^aci. in ital.^
!-) 8°.)) herausgegeben vo«
Ticozzi; — und ^Oi^co^o storico «^l
testo clel Oecams^ons H Oiov. Hoceae-
eio" (I^u^Hno 1828) 12°.); — die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon