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Daselbst übernahm er an Tissots
Stelle, der in sein Vaterland zurück-
kehrte, die Lehrkanzel der praktischen
Medicin und Klinik. Schon im fol-
genden Jahre wurde er Director des
Spitales zu Pavia, Protomedikus und
Geueraldirector des Medicinalwesens in
der Lombardie. Im Mai 1768 erhielt er
die Oberaufsicht über sämmtliche Kran-
kenhäuser im Lande. I n diesem Jahre
schuf er die reglementarische Einrichtung
einer klinischen Schule zu Pavia; orga-
nisirte ein medicinisch-chirurgisches Colle-
gium und verfaßte die Apotheker-Ord-
nung für die Lombardie. Um seine Schü«
ler mit dem Geiste der deutschen Medicin
bekannt zu machen, begann er die Her-
ausgabe seines großen Werkes: „Delect^
opUHcnlol-unt Tnsckeo^m.", wovon 1785
der erste Band erschien. Am 15. Jänner
1795 folgte F. einem Nufe nach Wien,
um daselbst das Militär-Medicmalwesen
zu ordnen. Sein Sohn Joseph (s. d.
S. 323), der bereits Assistent war, be-
sorgte während seiner Abwesenheit von
Pavia die dortige Klinik. F. kehrte nicht
wieder nach Pavia zurück, er wurde in
Wien Hofrath, Direcior des Wiener
Krankenhauses und Professor der prakti-
schen Medicin an dcr Wiener Universität.
Als solcher legte er ein pathol.Museum an
Therapie, für welche keine Professur be-
stand, vor einer zahlreichen Zuhörerschaft.
Aber F.'s literarische Thätigkeit während
feines fast zehnjährigen Aufenthaltes in
Wien beschränkt sich auf seine „Selbztbw»
yluplzie" (Wien 1802). 1804 ging Frank
unier sehr vortheilhaften Bedingungen
nach Wilna zugleich mit seinem Sohne
Iosep h, der die Professur der Pathologie
daselbst übernahm. In wenigen Monaten
schon kam er als kaiserl. Leibarzt nach
St. Petersburg; mußte aber in Folge
j einer leidenden Gesundheit 1808 um
seine Entlassung bitten und lehrte mit
y. Würzbach. biogr. Lenlon. IV. einer lebenslänglichen Pension von
3000 Rubeln nach Wien zurück. Seine
Bibliothek wurde für die Universität in
Kasan angekauft. Bei semer Rückkehr
nach Wien versuchte ihn Napoleon für
Frankreich zu gewinnen j^vergl. in den
Quellen: Tant ini) , jedoch vergeblich;
bewies aber dem großen Arzt, wie hoch
er ihn stelle, durch das Geschenk einer
werthvollen Dose mit 6000 Francs. Nach
erfolgtem Frieden begab sich F. (Nov.
1809) nach Freiburg im Breisgau, um
bei seiner Tochter Karol ine, welche
mit dem Baden'schen Oberstlieutenant
Peternell vermalt war, den Rest seines
Lebens zuzubringen. Der unerwartete
Tod derselben vereitelte diesen Plan.
1811 kehrte er nach Wien zurück, lebte
der Praris und seiner Wissenschaft und
wurde, als MariaLouise mit dem Her-
zoge von Reich stadt nach Wien kam, ihr
Leibarzt. Frank schied, 77 I . alt, obgleich
furchtbar leidend, als heiterer Philosoph
aus dem Leben. Acht Aerzte, darunter
Ioh. Gottf. Bremser (s. d. I I . Bd. S.
13IX umstanden sein Bett. Frank wußte,
daß er nicht zu retten sei. „Ich muß
Ihnen", begann der Sterbende zu den
ihn Umstehenden, „erzählen, daß ich mich
einst bei einem Soldaten befand, der von
acht Kugeln getroffen war. Dieser rief
mir zu: Wozu acht Kugeln, eine wäre ge-
nug gewesen". F. war Mitglied vieler
gelehrten Gesellschaften; bemerkenswerth
ist, daß den gefeierten Arzt bis zu seinem
78. Jahre kein Orden schmückte, erfi
1819 empfing er von Mar ia Louise
den Georgsorden. Franks Handschriften
wurden seinem letzten Willen gemäß an
seinen Sohn nach Wilna geschickt. sUeber
die von ihm niedergeschriebenen Denk-
würdigkeiten vergleiche die Quellens Die
wissenschaftliche Thätigkeit F.'s in seiner
Fache ist sehr groß und seine Werke se/
zahlreich, hier folgen dieselben nach ih-
Original-Ausgaben mit Angabe der b<
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Egervári-Füchs, Volume 4
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Egervári-Füchs
- Volume
- 4
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1858
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 422
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon