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fede Vi ta l i , der
sich den Namenlosen
(^.uoiiimo) nennen ließ, und mit ihm
bekannt geworden, erwirkte er durch sei-
nes Chefs, des venetianischen Gesandten,
Fürsprache die Ueberlaffung des Mai-
länder Theaters, welche Gelegenheit
nunmehr Goldoni benutzte, sein Inter-
mezzo : „I i Oontioiisl'e vensHiano" , das
erste Singspiel dieser Ari iu Italien zur
Aufführung zu bringen. Auch begann er
die Umarbeitung seines „öel^aT-io"^ in
welcher Arbeit er durch den Einmarsch
savoyischer Truppen in Mailand, womit
der Krieg von 1733 begann, unterbrochen
wurde. Goldoni zählte damals 26Iahre.
Der venetianische Gesandte erhielt von
seiner Regierung, die neutral geblieben
war, den Auftrag, nach Crema zu gehen.
Goldoni folgte ihm dahin und konme
bald, als Kundschafter im Lager dcr Ber-
bündeten vor Pizzighetone verwendet,
sein diplomatisches Talent beurkunden.
Aber Mißverständnisse mit seinem Vor-
gesetzten hatten seine Entlassung zur
Folge und Goldoni stand nun witzder
hilflos, auf sich allein gestellt, in der
Welt. Er reiste nun zu seiner Mutter
nach Modena, wurde in dem vom Kriege
heimgesuchten Lande von Nachzüglern
geplündert und rettete nichts als seinen
^Zelisa?'." So kam er in Verona an und
dort versuchte er es, sein Stück zur Auf-
führung zu bringen, es gefiel bei der
Probevorlesung und noch mehr bei der
Aufführung (24. Nov. 1734). Somit
waren die Schwierigkeiten jener Bahn
überwunden, die G. seither nicht mehr
verließ. Ein Erfolg reihte sich an den
andern. Der Anstoß zur Neform der ita-
lienischen Bühne, welche in eine Zeit
fällt mit der Verbannung des Hanswurst
von der deutschen Bühne, war gegeben.
Gewisse Culturideen brechen sich fast
gleichzeitig bei allen Völkern Bahn,
triumphirend über alle Schranken, welche
ihnen veraltete Unsitte, schlechter Geschmack und systematisches Niederhalten der gei-
stigen Entwicklung zu setzen Pflegen. Auf
seinen Wanderungen mit der Truppe
des Veroneser Theaters sau sannisio,
welche seinem ersten dramatischen Kind-
lein zu Gevatter gestanden, kam G. nach
Genua; dort machte er die Bekanntschaft
eines liebenswürdigen, gebildeten und
wohlhabenden Mädchens, das alsbald
seine Lebensgefährtin wurde (1736),
mit der er bis in sein hohes Alter eine
glückliche Ehe führte. Goldoni setzte
nun mit erneutem Eifer sein dramatisches
Reformationswerk fort; feines Dichter-
berufes sich vollkommen bewußt, wollte
er die Bühne zu einem Spiegel und einer
Schule der Sitten machen; an die Stelle
der Charaktermasken sollten Charakter-
gemälde treien; die extemporirten Späße
der Letzteren sollten durch kunstgerechte
Dialoge ersetzt werden. Was Zeno und
Metastasio für die Oper, wollte G.
für das Schauspiel werden; aber um dem
herkömmlichen Geschmacke durch seine
Neuerungen nicht Anlaß zu unbedachter
und compacter Opposition zu geben,
brachte er demselben immer noch Zuge-
ständnisse und begann nur allmälig die
Reformen einzuführen, die er beabsich-
tigte. In anderer Weise günstig für sein
Geschick wurden die Einflüsse der Ver-
wandten seiner Gattin, durch welche er
den Posten eines genuesischen Consuls in
Venedig (1740) erhielt. Der Bankerott
der Bank von Modena und der Betrug,
den er durch einen Gauner erfahren, der
ihm 6000 Livres aus der Tasche gelockt,
gaben ihm die Idee zn dem Stücke:
^impoHto76") welches die beifälligste
Aufnahme fand. Nach einer Reise nach
Florenz, um mit der toscanischen Mund-
art sich
vertraut zu machen, kam er nach
Pisa, wo es ihm so gefiel, daß er beschloß,
sich hier häuslich niederzulassen und seine
Zeit zwischen den Geschäften eines Advo-
caten und dramatischen Dichters zu thei-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon