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Gratarol ward sein beglückter Neben-
buhler und Gozzi suchte
sich durch Be-
arbeitung eines spanischen Stückes ^ e
a^og/is <i'amo7-e", das Gewürzkästlein der
Liebe, an demselben zu rächen. War
Goz;i dies zwar gelungen, so blieben
die schlimmen Folgen doch nicht aus. Der
Scandal, den die Aufführung des Stückes
verursachte, war groß; und durch eine
Schutzschrift Gratarols, der nicht genug
Seelengröße befaß, die Satire schweigend
hinzunehmen, noch verstärkt. Als sich
die
Sacchi'sche Truppe auflöste, versiegte
zwar nicht ganz G.'s dramatisches Talent,
war aber nicht mehr fo fruchtbar. Den
Rest seines Lebens widmete er der Pflege
seines älteren und zwei Decennien vor
ihm verstorbenen Bruders Oasparo,
an dem er mit zärtlicher Liebe hing, führte
Processe und schloß 18. März 1798, acht
Jahre vor seinem Tode, der ihn im Alter
von 84 Jahren dahinraffte, seine Memoi-
ren. G. war Mitglied der Akademie der
(3r3>lioli6soln. Gozzi als Schriftsteller
hat auf seine Zeit keine nachhaltige Wir-
kung geübt, man lachte über feine dra-
matischen Märchen und über das Lachen
hinaus kam man nicht. Als Stylist ist
er ohne Werth und Ugoni charakterisirt
feinen Elyl ^un viNsLiiuo eä insoKe-
ridile impasto 6i stile '; an dichterischen
Gaben besaß er nichts als eine lebendige
Phantasie; ohne Wissen, wie er war,
findet sich
in seinen Schriften nichts, was
über den Zustand der Kenntnisse und
Philosophie seiner Zeit einigermassen Auf-
schluß gäbe. Seine Vorliebe für derb-
komische Stücke erläutert er aber selbst
auf eine Art, die nicht zu Gunsten seines
sittlichen Gefühls spricht, denn er sagt
an einer Stelle: „Ohne Rückhalt gestehe
ich, daß, wenn ein Publicum zum Genuß
blos höherer und ernsterer Stücke zuge-
lassen würde, uno wenn man ihm Ver-
achtung gegen die lustigen, einfachen und
Jedem verständlichen Stücke beibrächte, die Fürsten besorgen müßten, ihre Völker
werden mehr verdorben als gebildet, und
daß
sie
somit wachsamer über die Schau-
spieler sein müssen." Gozzi entgegen
sagen wir, daß gute Fürsten von ernsten
Stücken nichts zu besorgen haben und
eben durch gute Stücke das Volk lieber
bilden, als durch Possen es sich erniedri-
gen lassen werden.
I. Carla Gozzi's Schriften, a) Dramatische
Arbeiten in chronologischer Folge ihrer
ersten Aufführung. Die mit einem * be-
zeichneten Stücke sind Original-Arbeiten,
alle übrigen, mehr oder weniger, andern meist
spanischen Dichtern nachgebildet. 17 6t.
*„I/2N2ors 6i tl6 moi KI-Ä.U02", die
Liebe zu den drei Orangen. Oolnineäia ai
improviso im Carneval zu Venedig zum ersten
Male gegeben. Das Stück ist eine Satire gegen
Chiari und Goldoni; — *«I1 oorva",
24. Qct. zu Venedig aufgeführt, wurde 16
Abende hintereinander bei überfüllten: Hause
gegeben; deutsch von G. H. I . Wagner
(Leipzig 1304, 8°.); — ^uranäot«, am
22. Jänner zuerst in Venedig gegeben; das
Stück ift den Deutschen aus Schillers Be-
arbeitung, die übrigens stark vom Original
abweicht, bekannt; — 176'i. *„I1 re c ei>
vc>«, Zauberfpiel, zum ersten Mal am I. Iän.
in Venedig, wurde I9mal nacheinander wie-
derholt; — „Doris", Tragikomödie,21.Juni,
Mantua, eine der schwächsten Arbeiten G.'s;
— ,11 cHvalierL amieo", zum ersten
Male 28. April zu Mantua; — *„I^ g. äonna
»orpontk", tragikomisches Märchensftiel, zu
Venedig am 29. Oct. aufgeführt und I7mal
wiederholt; — 17K3 *«I^2 2od6iäk«,
tragikomisches Zauberspiel in 5 Acten, zum
ersten Male am 10. August zu Venedig; im
König Sinadab ist ein geniales Gegenbild
zu Tartiiffe gegeben; — t?64 ^ n ino-
8i.ro tui-okiuo", zum ersten Male in Ve-
nedig am 8. December; — 17K5 ^„2e iw
rs äe: ßsu^ oggia. I2. 36rv2 lkäsie",
Zauberspiel in 5 Acten, zum ersten Male
27. November in Venedig; eine der schwäch-
sten Arbeiten G.'s; — *„I<'änFeIIiil bei-
vsräo«, Zauberspiel in ö Acten, zum ersten
Male 19. August zu Venedig; das Stück ift
eine Fortsetzung des schon genannten: «I/a-
niore äi ti-e mei2,r2,i>,o2"; fand ungeheuren
Beifall und wurde 19mal hintereinander auf-
geführt; — 47S7. «1.2 60222. venäiQa-
tivk", nach dem Spanischen des Don Diego
und Don Giuseppe diCordova: »Renäirss
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon