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Fürsten Moriz Liechtenstein und des
Grafen Karl Harr ach. Später widmete
er sich dem Verlags- und Antiquariats-
geschäfte, bei welchem er jedoch einen
namhaften Theil seines Vermögens zu-
setzte und im hohen Alter genöthigt war,
von der Schriftstellerei — die manchmal
in Buchmacherei ausartete — zu leben.
Schreibt er doch selbst in einer handschrift-
lichen Uebersicht seiner Druckwerke: „es
ist wirklich nicht Affectation, wenn ich
wünsche, vielleicht drei Viertheile des
Gelieferten lieber nicht hervorgebracht
zu haben". Nichtsdestoweniger besitzt G.
eben als Schriftsteller vielfache Verdienste.
Wenn seinen Arbeiten auch der kritische
Geist, die historische Kunst im höheren
Sinn des Wortes mangeln, so waren,
ja sind es seine Schriften noch immer,
welche wesentlich zur geschichtlichen Kennt-
niß Niederöfterreichs, insbesondere Wiens
beitragen und die Liebe zu derselben unter
allen Classen seiner Zeitgenossen weckten.
Bei dem gänzlichen Mangel an Memoi-
ren und persönlichen Aufzeichnungen in
Oesterreich, sind seine mit bewunderungs-
werthem Bienensteiße zusammengetrage-
nen und mit seltener Umsicht ausgewähl-
ten einzelnen Züge und Erlebnisse be-
rühmter Individualitäten, selbst für den
späteren Historiker willkommene und schä«
tzenswerthe Anhaltspuncte. Ein bleiben-
des Verdienst aber hat sich G. durch die
Herausgabe der österr. National - Ency-
klopädie erworben, des einzigen Werkes
in Oesterreich, dessen Werth wie der des
Weines mit den Jahren steigt. Als Anti-
quarbuchhändler stand G. an umfassen-
der Bildung und mannigfaltigen Kennt-
nissen unter seinen Collegen einzig da.
Wit ihm ist ein wahrer Schatz antiqua-
rischen Wissens, eine Specialität, die
ibres Gleichen nicht hatte, zu Grabe ge-
gangen. Auch der Herausgeber dieses
Lexikons zählte zu feinen Schülern und
werden ihm die Tage des Jahres 1848, welche er beständig in seiner Gesellschaft
verlebte, und ihm durch den Umgang mit
dem kenntnißreichen, originellen, aber
immer Nebevollen Sonderling so nutzvoll
geworden, immer in angenehmer Erin-
nerung verbleiben. G.'s Detailkenntniß
der Classtker und Incunablen setzte Fach-
gelehrte oft in großes Staunen. Für den
Handel mit Autographen hat G. in Wien
ebenfalls den ersten Grund gelegt. Durch
Erziehung und Neigung zum Gelehrten-
stande prädestinirt, konnte sich G. von
jeher in seinem „Geschäfte" als Buch-
händler nur äußerst schwer zurechtfinden
er bewegte sich darin wie in einer Zwangs-
jacke. G. war.seinem innersten Wesen
nach durchaus kein Kaufmann, sondern
ein Gelehrter aus Beruf, mit allen Schwä-
chen und Vorzügen dieser oft wunderlichen
Menschenrace behaftet. Dieser unglück-
selige Dualismus spaltete sein ganzes
Leben in zwei heterogene Hälften und
ließ ihn niemals auf einen grünen Zweig
kommen. Die letzten Jahre seines Lebens
waren gar sehr trübe; im I . 1849 traf
ihn ein Schlaganfall, von dem er sich
nicht mehr erholen konnte, und der zuletzt
seine Gehirnthätigkeit in solcher Weise
lahmte, daß er zuerst über Verwendung
des Bürgermeisters Ritter v. Seitler
in's Versorgungshaus nach St. Marx,
dann aber, als der Irrsinn bei ihm aus-
brach, in's Irrenhaus gebracht wurde,
in welchem ihn der Tod von seinem Lei-
den erlöste. Gräffer starb, 77 Jahre
alt. Als an einem trüben Octoberabende
des I . 1852 seine Ueberreste bestattet
wurden, gaben mehrere Schriftsteller und
ältere Buchhändler Wiens dem Todten
das letzte Geleite. Die Zahl der Werke
G.'s ist sehr groß. Es sind deren, die er
unter seinem Namen, anonym und Pseu-
donym herausgab. Eine vollständige Auf-
zählung derselben bleibt ein literarisches
Curiosum, wir lassen
sie daher auf Grund
von G.'s eigener durch-Güte des vr. L.A.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon