Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lexika
Wurzbach-Lexikon
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5
Seite - 297 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 297 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5

Bild der Seite - 297 -

Bild der Seite - 297 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5

Text der Seite - 297 -

297 Fürsten Moriz Liechtenstein und des Grafen Karl Harr ach. Später widmete er sich dem Verlags- und Antiquariats- geschäfte, bei welchem er jedoch einen namhaften Theil seines Vermögens zu- setzte und im hohen Alter genöthigt war, von der Schriftstellerei — die manchmal in Buchmacherei ausartete — zu leben. Schreibt er doch selbst in einer handschrift- lichen Uebersicht seiner Druckwerke: „es ist wirklich nicht Affectation, wenn ich wünsche, vielleicht drei Viertheile des Gelieferten lieber nicht hervorgebracht zu haben". Nichtsdestoweniger besitzt G. eben als Schriftsteller vielfache Verdienste. Wenn seinen Arbeiten auch der kritische Geist, die historische Kunst im höheren Sinn des Wortes mangeln, so waren, ja sind es seine Schriften noch immer, welche wesentlich zur geschichtlichen Kennt- niß Niederöfterreichs, insbesondere Wiens beitragen und die Liebe zu derselben unter allen Classen seiner Zeitgenossen weckten. Bei dem gänzlichen Mangel an Memoi- ren und persönlichen Aufzeichnungen in Oesterreich, sind seine mit bewunderungs- werthem Bienensteiße zusammengetrage- nen und mit seltener Umsicht ausgewähl- ten einzelnen Züge und Erlebnisse be- rühmter Individualitäten, selbst für den späteren Historiker willkommene und schä« tzenswerthe Anhaltspuncte. Ein bleiben- des Verdienst aber hat sich G. durch die Herausgabe der österr. National - Ency- klopädie erworben, des einzigen Werkes in Oesterreich, dessen Werth wie der des Weines mit den Jahren steigt. Als Anti- quarbuchhändler stand G. an umfassen- der Bildung und mannigfaltigen Kennt- nissen unter seinen Collegen einzig da. Wit ihm ist ein wahrer Schatz antiqua- rischen Wissens, eine Specialität, die ibres Gleichen nicht hatte, zu Grabe ge- gangen. Auch der Herausgeber dieses Lexikons zählte zu feinen Schülern und werden ihm die Tage des Jahres 1848, welche er beständig in seiner Gesellschaft verlebte, und ihm durch den Umgang mit dem kenntnißreichen, originellen, aber immer Nebevollen Sonderling so nutzvoll geworden, immer in angenehmer Erin- nerung verbleiben. G.'s Detailkenntniß der Classtker und Incunablen setzte Fach- gelehrte oft in großes Staunen. Für den Handel mit Autographen hat G. in Wien ebenfalls den ersten Grund gelegt. Durch Erziehung und Neigung zum Gelehrten- stande prädestinirt, konnte sich G. von jeher in seinem „Geschäfte" als Buch- händler nur äußerst schwer zurechtfinden er bewegte sich darin wie in einer Zwangs- jacke. G. war.seinem innersten Wesen nach durchaus kein Kaufmann, sondern ein Gelehrter aus Beruf, mit allen Schwä- chen und Vorzügen dieser oft wunderlichen Menschenrace behaftet. Dieser unglück- selige Dualismus spaltete sein ganzes Leben in zwei heterogene Hälften und ließ ihn niemals auf einen grünen Zweig kommen. Die letzten Jahre seines Lebens waren gar sehr trübe; im I . 1849 traf ihn ein Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholen konnte, und der zuletzt seine Gehirnthätigkeit in solcher Weise lahmte, daß er zuerst über Verwendung des Bürgermeisters Ritter v. Seitler in's Versorgungshaus nach St. Marx, dann aber, als der Irrsinn bei ihm aus- brach, in's Irrenhaus gebracht wurde, in welchem ihn der Tod von seinem Lei- den erlöste. Gräffer starb, 77 Jahre alt. Als an einem trüben Octoberabende des I . 1852 seine Ueberreste bestattet wurden, gaben mehrere Schriftsteller und ältere Buchhändler Wiens dem Todten das letzte Geleite. Die Zahl der Werke G.'s ist sehr groß. Es sind deren, die er unter seinem Namen, anonym und Pseu- donym herausgab. Eine vollständige Auf- zählung derselben bleibt ein literarisches Curiosum, wir lassen sie daher auf Grund von G.'s eigener durch-Güte des vr. L.A.
zurück zum  Buch Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Füger-Gsellhofer, Band 5"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Füger-Gsellhofer, Band 5
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Füger-Gsellhofer
Band
5
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1859
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
426
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich