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walt zurückzubekommen. Er übertrug an
Lefebvre, einen in der Kriegsgeschichte
jener Periode hervorragenden Ofstcier.
die Ausführung der Minen-Arbeiten
durch welche er sich in den Besitz von
Schweidnitz zu setzen gedachte. Die
Trancheen wurden am 6. August eröffnet
und am 13. schrieb Friedrich an den
Marquis d'Argens (französisch): „Meine
Unternehmung auf Schweidnitz geht bis-
her über alle Maßen gut, noch 11 glück-
liche Tage uud unser Versuch ist gelun-
gen". — 23 Tage später, am 6. Sep-
tember, schrieb Friedrich II. an densel-
ben Marquis: „Ich bin ebenso ungeschickt
im Einnehmen von Festungen, wie im
Versemachen. Ein gewisser Grib e auv al
und 10,000 Oefterreicher haben uns bis-
her aufgehalten. UebrigenZ sind Com-
mandant und Garnison in Agonie, wir
werden ihnen alsbald Garaus macheu."
Doch ging es damit so rasch nicht. Sein
Gegner Lefebvre konnte gegen die von
G. angewendeten von Belidor erfun-
denen Quetschminen nichts ausrichten.
Am 26. September schrieb Friedrich
wieder: „Ich meldete ihnen mit zu viel
Zuversicht das Ende der Belagerung.
So weit sind wir noch gar nicht, die Mi-
nen haben nns zu lange aufgehalten.
Wir brauchen 6 Wochen, um einen Platz,
den wir in 2 Stunden verloren haben,
wieder zu gewinnen. Das Genie Gr i -
b eauv als vertheidigt den Platz . . ., er
bereitet uns immer neue Chicanen aller
Art." In der That häuften sich G.'s Chi-
canen der Art, daß die Belagerung sich
bis zum 9. Oct. 1762 verzögerte; und
nur ein Zufall kam den Preußen zu Stat-
ten. Das Iauerniker Fort, in dessen Pul-
vermagazin eine Granate geschlagen hatte,
sprang in die Luft und nun war die Fe-
stung genöthigt, zu capituliren. Als die
Besatzung der Festung FriedrichII. vor-
gestellt wurde, wollte er G. anfänglich
nicht sehen, später aber zog er ihn an seine Tafel und überhäufte ihn mit Lob-
sprüchen. Im nämlichen Jahre ernannte
die Kaiserin G. zum Feldmarschall-Lieu-
tenant, verlieh ihm auch für den Fall,
daß er in ihren Diensten bleibe und das
Großkrenz des Ludwigs-Ordens ablegen
wolle, das Großkreuz des Mar. There-
sieuordens. G. lehnte aber den Antrag ab
und zog vor, nach demHubertsburgerFrie-
denwieder nachFrankreich zurückzukehren,
wo er 1764 General-Lieutenant u. 1776
General-Inspector der Artillerie wurde.
Ohne sein Verschulden gerieth er in kön.
Ungnade, wurde aber spater von König
Ludwig XVI. zum General - Inspector
des großeu Arsenals ernannt; nicht lange
bekleidete er diese Stelle, denn er starb
bald darauf im Alter von 74 Jahren.
Die Kriegswissenschaft hat G. mehrere
der sinnreichsten Erfindungen im Fache
der Artillerie und des Minenwesens zu
verdanken; so z. B. die Verkürzung der
Röhre des Feldgeschützes bis auf 18 Ka-
liber; das Schlepptau; die bei der Bela-
gerung von Schweidnitz erprobten Wall-
Lafetten u. dergl. m. Seine Arbeiten im
kriegswissenschaftlichen Gebiete find ge-
sammelt in dem Werke: „
st I. äs
ille^is äs /^cmcs. /?n
ll-s än,-oi" (?kri8 1792,
drei Bände in 4 Abtheilungen in Folio,
mit 125 Tafeln, welche besonders zwei
Bände in Folio bilden; so lautet der
gestochene Titel des Werkes, ein zweiter
führt folgende Aufschrift:
ontss et
/7-ancs". Von diesem
Werke wurden nur 120 Exemplare abge-
zogen, deren Vertheilung
sich die Regie-
rung vorbehielt, daher die große Selten-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon