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im Theater an der Wien zum Vortheile der
k. k. Hofschauspielerin Sophie Schröder. —
Die Besetzung war folgende: Borotin: Herr
Lange, k. k. pens. Hofschauspieler als Gast;
Bertha: Frau Sophie Schröder; Iaromir:
Herr Heurte ur; Boleslaw.-HerrKüstner;
Hauptmann: Herr Demmer; Friedrich, Sol-
dat: Herr Schmidtmann. Dekorationen von
Gail, DePian (Vater); Costum von Phil.
von Stubenrauch. — Die „Ahnfrau" ist
seit ihrer ersten Aufführung bis 1848 über
60mal im Burgtheater gegeben worden. In
den polit. Stürmen der folgenden Jahre blieb
sie liegen, bis sie Laube, dem wir die Wie-
dereinsetzung des großen österreichischen Dich-
ters in sein Vühnenrecht verdanken, 1851
wieder auf das Repertoire brachte. — Borne
(Ludwig), Gesammelte Schriften (Hamburg
1840, Hofmann u. Campe, kl. 8°.) 2, Aufl.
I I . Thl. S. 24. Das Urtheil des geistreichen
Borne über die „Ahnfrau" stand zuerst in
der von ihm redigirten „Wage." Nach einigen
allgemeinen Bemerkungen über die Verwirrung,
welche in Betreff der Schicksalstragödie unter
den neueren Dichtern herrsche, schließt Börne:
„Diese Bemerkungen sollten nicht den herrli-
chen und geistreichen Dichtn treffen. Gäbe es
yur eine größere Zahl solcher dramatischen
Dichtungen, daß wir endlich der jämmerlichen
Familiengeschichten ledig würden, die wie
Wanzen sich in alle Ritzen der Bühnenbretter
eingenistet haben, gar nicht zu vertreiben sind
und uns zur Verzweiflung bringen." — Thea-
ter-Zeitung 1818, Nr. 14—16. — Sammler
(Wiener Unterhaltungsblatt, 4°.) 1318 Febr.
— Uebrigens rief dieses Stück gleich in den
ersten Jahren, die seiner Aufführung folgten,
einen förmlichen kritisch-literarischen Sturm
in der deutschen Journalistik hervor, es wurde,
wie einer feiner Biographen schreibt, „damals
und später viel Tolles und Gelehrtes, Ab-
surdes und Schönes über dieses erste Werk"
G.'s allerorten geschrieben. — Bemerkens-
werth ist die Vorrede, welche G., nachdem
man seine „Ahnfrau" mit dem Bannworte
„Schicksalstragödie" in ein Schema eingesargt,
zur ersten Ausgabe desselben geschrieben, worin
er unter Anderem ausdrücklich erklärt: „die
Schule nicht zu kennen, zu der man ihn zu
zählen beliebt, und nicht zu wissen, mit wel-
chem Rechte man einem Schriftsteller, der ohne
Anmaßung und ohne Zusammenhang mit
irgend einer Partei, zum ersten Mal im
Publicum auftritt, Ungereimtheiten zur Last
legt, die von Andern, sei es auch zu seinem
Lobe, gesagt werden mögen." — Ueber das
literarifche Leben in jener glücklicheren Zeit,
als die „Ahnfrau" gegeben worden, über den Antheil, den die damaligen Schriftsteller an
dem Erstlingswerke des jungen Dichters nah-
men, vergleiche man die anregend geschriebene
Skizze: „Vor vierzig Jahren (31. Jänner
1817)" von A. Si las in der Theaterzeitung
1857, Nr. 25. — Eine französische Uebersetzung
der „Ahnfrau" erschien unter dem Titel:
yl/a'iouis, trasssäiö en 5 aotes, traä. äs
1'a.ilsiu. (eQ prose) pkr uu niemdi'6 äe 1a
sooiötä littei-kirs äe <3kn^v2" (ftenkvs 1820,
2l2.ro 6e8ti6 Mg, 8°.). — Bon der „Ahnfrau"
bestehen auch englische, italienische, schwedische
Uebersetzungen, und ist
sie auf den Bühnen
in England, Italien und Schweden mit un-
getheiltem Beifall und nachhaltigem Erfolge
gegeben worden. — Eine Parodie zur „Ahn-
frau" gab Adolph von Schaden heraus,
betitelt: „Die Ahnfrau, ein musikalisches
Quodlibet tragi-komischer Natur." lBergl.
das literar. Conversationsblatt 1818, S. 163.)
— Betc6ff der „Ahnfrau" ist noch auf eine
Stelle in der Ersch und Grub er'scheu
Allgem. Encyklopädie der Wissenschaften und
Künste (Leipzig 1822, Gleditsch, 4°.) I. Sect.
38. Thl. S. 18 aufmerksam zu machen, in
welcher der rheinische Antiquarius, Herr von
Stramberg, gelegenheitlich des Artikels
über die Familie Esch das Folgende sagt:
„Karl Friedrich Freiherr von Esch
hinterließ aus zwei Ehen eine zahlreiche Nach-
kommenschaft und ist Franz Freiherr v. Esch
Oberst in k. k. Diensten und Commandant
des Kürassierregimentes Kaiser Nr. 1, viel-
leicht auch das B i ld , welches dem
Dichter der Ahnfrau (Gri l lparzer)
für seinen Iaromir von Efch vor-
schwebte, einer von dessen Söhnen." —
3. Sappho. Zum ersten Mal aufgeführt am
21. April 1818 im Hofburgtheater; seit dieser
Zeit bis 1848 ist „Sappho" an derse!ben
Bühne über ZOmal gegeben worden. Nachdem
sie in den Jahren der polit. Wirren für einige
Zeit von der Bühne verschwunden war, brachte
sie Laube 1852 wieder auf's Repertoire. —
Borne (Ludwig), Gesammelte Schriften
(Hamburg 1840, Hoffmann u. Campe, kl. 8°.)
2. Aufl. I I . Thl. S. 96—109. Borne leitet
seine Kritik ein über „Sappho" mit folgenden
Worten ein: „Vor etwa zwei Jahren wurde
uns diese Tragödie mit dem Spiele der Frau
Schröder gleichzeitig bekannt. So em-
pfingen wir eine köstliche Frucht in
goldener Schale mit Dank und Freude
aus den Händen der großen Künstlerin." Nach
einer in scharfen Zügen gegebenen Uebersicht
des Stückes und des Hauptcharakters: der
Sappho, fahrt Borne fort: „Doch schon
zu lange habe ich in diese Sonne gesehen, um
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon