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sie nun unter ihre Mitglieder auf, und
unter dem Gesellschaftsnamen: Lesbia
Cidonia veröffentlichte sie ihre schwung-
reichen Poesien. Ihrem Dränge, die Welt
ZU sehen, folgend, unternahm sie Reisen
in ihrem Vaterlande und nach Frank-
reich. In Paris empfing sie die Huldi-
gung der damals dort lebenden geistigen
Spitzen; Buffon, Mad. deBoccage,
Boscovich, Dorat, Lalande, Le
Brun, Le Mierre, Mercier, bildeten
ihren Kreis. Nur Voltaire fand es noch
nicht angemessen, der geistreichen Italie-
nerin zu huldigen, und eines ihrer Ma-
drigale , worin es unter anderem heißt:
^. olle ßiovaniini ii xisäs
Volkers Kll» oittä cke «'sr^e altera
VI 8enn2. in i-iva s 8ni oostuuii iiupera.
D'^uioxH tutta, s 2U0 dsii' arti e L6äo,
8e Voltaire vaäer or non pos«' io
lÜIis äoUs Praxis 2 äeUo 2lu50 s iivio,
spricht deutlich ihren Schmerz darüber
aus. Dieser Mahnung konnte der große
aber eitle Dichter nicht widerstehen, und
auch sie wurde nun Gegenstand seiner
Aufmerksamkeit und Dichtung. Nach ihrer
Rückkehr in's Vaterland unterhielt sie
mit den gewonnenen geistigen Freunden
einen literarischen Briefwechsel, der sich
gegenwärtig im Besitze eines ihrer Ver-
wandten, des Abate Giovanni Mosconi
befindet und reiches Materiale zu einer
Geschichte der innersten literarischen Be-
ziehungen ihrer Zeit enthält. Einen Theil
dieses Briefwechsels nahm A. Rubbi auf
in sein „NFistoikrio äi Oonnk e ä'uo-
mini celodri morti 0 vivsnti nsi 6e-
<:o1c> XVIII". Von zwei Einladungen,
eine von Mascheroni, dem berühmten
Professor der Mathematik in Pavia, dieser
ehemaligen Capitale des Longobarden-
Königs, eine zweite von Don Vs.1<i2.8-
L2.r6 OäsgQaloki äuog. äi Okri, das
ewige Rom zu besuchen, folgte sie der er-
steren, welche Mascheroni in das be-
rühmte, in seiner Gattung neue, dem
"didactischen Gedichte der Deutschen zu- nächst stehende Poem „1'Iuvito" ein-
gekleidet hatte, worin er mit Meister-
schaft die wissenschaftlichen Schätze Pavia's
beschreibt, welche damals den Stolz
Italiens bildeten. Im Anschauen der
reichen wissenschaftlichen Schätze dersel-
ben schöpfte sie neue Nahrung zu poeti-
schen Ergüssen. Der Ruhm einer Für-
stin, welcher damals Europa erfüllte,
entstammte auch Lesbia Cidouia zum
Gesänge, und sie schickte ihre beiBodoni
prächtig gedruckten ^soioiti" der Kaiserin
Katharina nach St. Petersburg. So
entstanden namentlich auf ihren Zügen
durch ihr Vaterland, wo sie überall neue
Freunde unter den Ersten ihres Volkes
gewann, viele Poesien, die, obgleich sie
alle den gelegenheitlichen Charakter an
sich tragen,
sich durch Schwung, Gedan-
ken und Reinheit des Styls hervorthun
und zu den besten Dichtungen ihrer Zeit
in Italien gehören. Gesammelt erschienen
dieselben erst zwanzig Jahre nach ihrem
Tode und wurden von ihrem Neffen Giov.
Mosconi herausgegeben, welcher ihnen
das begeisterte Na^io des Ab. Saverio
Bettinell i ss.d.i.Bd.S.357) voraus-
schickte. Von den ersten Geistern ihrer Zeit
und ihrer Heimat wurde
sie
gefeiert; Bel-
tramelli, Fontana, Pindernonte,
Soave, Tiraboschi, Vanetti, Vai-
letti, Vert 0 vagehörten zu ihren Freun-
den und rühmen sie
in ihrenSchriften. Die
wissenschaftl. Akademien der Halbinsel, die
der IneLtriakti von Bologna, der Leoitkti
von Bergamo, der Dissonanti von Mo-
dena, der OatsnNti von Macerata, der
Ooouiti von Rom, der ^FiaU von Ro-
veredo, der ^Mäkti in Pavia, die Flo-
rentinische Akademie, Me der Künste
und Wissenschaften von Mautua, außer
jener der Arkadier, welche ihr Bildniß
bewahrt, zählten sie unter ihren Mitglie-
dern. Die Grismondi starb im Alter
von 55 Jahren.
Bor der von ihrem Neffen Giovanni Mosconi
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Füger-Gsellhofer, Volume 5
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Füger-Gsellhofer
- Volume
- 5
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1859
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 426
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon