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— Karl 388 H absburg — Karl.
Feldmarschall > Lieutenant Herrn Ludwig de
Traur in Wien hinterlassenen Münz« und Me-
daillen-Sammlung" (Wien 1856), Nr. 111—
126.)
131. Karl, Infant von Spanien,
gewöhnlich Don Carlos (geb. 9. Juli
1843, gest. 24. Juli 1368). Sohn Phi-
l ipp's I I . von Spanien aus dessen
erster Ehe mit Maria von Portugal.
Carlos' Mutter starb den zweiten Tag
nach ihrer Niederkunft und er mußte mit
Ziegenmilch ernährt werden. Des Knaben
Gemüthsart war, wie die vielen Geschicht-
schreiber übereinstimmend melden, eine
störrige, heftige; überdieß war seine Kör-
perbeschaffenheit im Alter von 12 Jahren
und später eine schwächliche. Man will
Anlagen zur Grausamkeit an ihm gefun-
den haben. Sonst entwickelte sich in ihm
eine frühe Selbstständigkeit mit dem
Bewußtsein der ihm zustehenden Rechte.
Als er vernahm, sein Vater Philipp
habe die Absicht, dem etwaigen Sohne
aus seiner zweiten Ehe mit Marie von
England die Niederlande zu übergeben,
erklärte CarloS, dieß nie zugeben, son-
dern seinen etwaigen Bruder bekämpfen
zu wollen. Die Spannung zwischen
Carlos und seinem Vater stammte aus
früher Zeit und wurde so groß, daß
Carlos seinen Großvater, den Kaiser
Karl V., Vater, seinen Vater aber
Bruder nannte. Später bezog Don
Carlos mit Don Juan d'Austria,
Karl's V. natürlichem Sohne ssehe d.
Nr. 128 j^, und dem Prinzen Alexander
von Parma die Universität Alkala, wo
er durch einen Fall seinen Kopf so schwer
verletzte, daß er trepanirt werden mußte.
Seit dieser Zeit soll er körperlich noch
schwächer, geistig noch wilder und aus«
gearteter geworden sein. Raumer in
dem in den Quellen bezeichneten Werke
zählt eine Reihe von Rohheiten und leidenschaftlichen Ausbrüchen des Prinzen
auf, deren Wahrheit, wie R. bemerkt,
füglich nicht bezweifelt werden könne. Der
Zwiespalt zwischen Vater und Sohn blieb
sich gleich, wenn er nicht sogar zunahm.
Die Königin, Philipp'sII. dritte Gema»
lin, Elisabeth von Valois, versuchte
es, Vater und Sohn auszusöhnen, aber
die beiderseits gestellten Bedingungen
waren für beide Theile unerfüllbar; der
König verlangte, Carlos solle sein
Naturell andern; Carlos wieder haßte
Philipp's Günstlinge Espinosaund
Alba, welche eben auch nicht liebens-
würdig waren, und konnte sich nicht zu
einer angemessenen Behandlung derselben
verstehen. Carlos knüpfte demnach heim-
liche Verbindungen in Spanien und Flan-
dern an, bedrohte Philipp's Herr»
schaft, und wie Einige wollen, des Vaters
Leben. Als Philipp dieses Alles erfuhr,
ließ er seinen Sohn verhaften. In der
Nacht vom 18. auf den 19. Jänner 1368
erschien Philipp in Don Carlos'
Schlafgemach, wo es zwischen Vater und
Sohn zu einer heftigen Scene kam. Am
22. Jänner erklärte Philipp in einem
an seine Stände erlassenen Rundschreiben,
wichtige zureichende Gründe hätten ihn
zur Verhaftung des Infanten vermocht
und er habe den Schmerz des Vaters der
Pflicht gegen Gott und sein Reich nach.
setzen müssen. Anderes jedoch berichten
andere Geschichtschreiber; so bringen
Einige das Ganze mit einem zwischen
Carlos und Don Juan ausgebrochenea
Zwiste in Verbindung, worauf Letzterer
dem Infanten wichtige Papiere entwendet,
dem Könige Philipp übergeben und
diesem ein von Carlos gegen Phi-
lipp II. angesponnenes Complot ver-
rathen habe. Abweichend von dem Vori«
gen, aber sehr ausführlich, schildert
Fourquevaulr, der französische Ge<
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Guadagni-Habsburg, Volume 6
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Guadagni-Habsburg
- Volume
- 6
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1860
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 502
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon