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„Tiger", den Sir Sidney Smith
befehligte. Hammer an diesen von
Sidney's Bruder, Spencer S mith,
englischem Minister, empfohlen, erwarb sich
bald dessen Zuneigung, die sich bei den
trefflichen Diensten, welche ihm Ham-
mer als Secretär und geschickter Dol.
metsch, namentlich bei der britischen Expe«
dition nach Egypten leistete, nur noch
steigerte. Hammer wohnte den Con-
ferenzen des Großveziers in Jaffa bei,
machte 1801 den Feldzug in Egypten
mit, ordnete nach Beendigung desselben
die gesammte .türkische Korrespondenz
und die den Feldzug wie die Ver-
handlungen der Mameluken betreffenden
Schriften und Documente, und reiste im
Auftrage Herbert's nach der Uebergabe
Alerandriens nach England. Während
dieses nahezu zweijährigen Aufenthaltes
im Orient entwickelte H. auch eine reiche
literarische Thätigkeit; er übersetzte zum
ersten Male in's Deutsche den „Divan
des Hasis" (Nr. 40). schrieb die „Topo-
graphischen Ansichten der levantinischm
Reise" (Nr. 27), studirte und übersetzte
während seiner Ueberfahrt von Alexan«
drien nach Portsmouth IbnWahshies'
Werk über Hieroglyphen und unbekannte
Alphabete, welches er dann aus dem
Arabischen übersetzte. Wilkins gab diese
Uebersetzung mit dem Originalterte auf
Lord. Spencer's Kosten in London
heraus (Nr. 38). Auch verdankt Hain«
mer's Bemühungen in jener Zeit das
Wiener kais. Münz» und Antikencabinet
den von Hieroglyphen bedeckten egyp«
tischen Grabstein Ibisnumin; die Hof-
bibliothek den bis dahin in Europa unbe»
kannten arabischen Ritterroman „Antar"
(Nr. 53), und H. war der Erste, welcher
den Marmor von dem Tempel des alten
Paphos beschrieb. Als Freiherr von Her-
bert im Februar 1802 starb, wurde Hammer von England abberufen und
im Herbste desselben Jahres dem zum
Internuntius in Constantinopel ernannten
Staatsrathe Baron von Stürmer als
Legationssecretär beigegeben, indem er bei
einer ihm anheimgestellten Wahl zwischen
Madrid und Constantinopel sich
für letzte»
res entschieden hatte. Während seines vier.
jährigen Aufenthaltes in Conftantinopel,
wohin er mit des Kaisers Erlaubniß
den durch ihn erworbenen orientalischen
Roman „Antar" mitgenommen, densel»
ben durchstudirt und Auszüge gemacht
hatte, beschäftigte er sich außerdem noch
mit Uebertragung der bis dahin unüber«
setzten Theile des arabischen Romans:
„Tausend und eine Nacht" (Nr. 43),
und mit Auszügen aus einem Werke
über den heiligen Krieg, welch' letztere
sein Freund Johannes von Müller,
dem Hammer sie zugesendet, unter dem
Titel: „Posaune des heiligen Krieges"
(Nr. 38) im Drucke herausgab und lange
für den Verfasser derselben galt. Im Jahre
1806 erhielt er als kais. Agent in der
Moldau seine Bestimmung nach Iassy,
folgte aber schon 1807 einem Rufe nach
Wien, wo seine Bekanntschaft und nach-
malige Freundschaft mit Wenzeslaus
Grafen Rzewuski für die Förderung
orientalischer Studien so erfolgreich wer»
densollte. Denn kaum hatte Rzewuski
die Absicht ausgesprochen, das Studium
der orientalischen Sprachen und Cultur
durch ein gemeinnütziges Unternehmen
zu fördern, als ihm bereits Hammer
den Plan zur Herausgabe der „Fund»
gruben des Orients" (Nr. 32) vorlegte,
deren Programm mitten unter Kriegs»
wirren am 6. Jänner (als dem Tage der
drei Könige des Morgenlandes) 1809 ver«
öffentlicht wurde, und welchem alsbald
die Ausgabe des 1. Heftes folgte. In
anderer Weise fördernd und Hammer'S
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Habsburg-Hartlieb, Volume 7
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Habsburg-Hartlieb
- Volume
- 7
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1861
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 472
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon