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Hazay, Buchdrucker und
Journalist (geb. in Ungarn). Zeit-
genoß. Levitschnigg in dem in den
Quellen bezeichneten Werke führtHazay
unter den „Schildknappen" Kossuth's
auf, unter denen alle Diejenigen verstanden
werden, die, weder zu den Mitgliedern der
Magnatentafel, noch des Unterhauses ge-
hörend . doch durch Wort und That für
die Revolution und ihre Verbreitung
thätig waren. Wie Albert Pälffy
das in den Märztagen 1848 verrufene
Blatt: „UaroxwL ^enätöälks", d. i.
der 13. März, begründete, dessen Cynis«
mus, verbunden mit beißendem Spotte,
fo überhand nahm, daß es im Sommer
4849 kurz vor der Flucht nach Szege-
din von der revolutionären Regierung
selbst unterdrückt wurde, so rief Hazay
1849 ein Seitenstück dazu mit dem
deutschen Blatte: „Der 14. April" in's
Leben. Der Titel dieses Blattes steht mit
den verhängnißvollen Ereignissen des ge-
nannten Tages in Debreczin im Zusam-
menhange, an welchem die Revolutions-
partei treubrüchig sich von dem ange-
stammten Könige lossagte, und Kossuth
darauf zum regierenden Präsidenten Un-
garns erwählt wurde. Hazay's Blatt
war mit gewaltthätigem Uebermuthe
und beispielloser Hartnäckigkeit geschrie«
ben; Sätze, wie die folgenden: „Unsere
Ablegaten sind ja nickende chinesische
Pagodmköpfe"; — „das Bajonnet eines
einzigen Honved ist uns mehr Garan»
tie, als hundert Fastentische"- — „das
Ministerium Szemere ist eigentlich
schon gestorben, obgleich es keinen Geist
aufzugeben hatte"; — „der alte legi-
time Landtag ist nicht befähigt, die
Constitution einer Republik zu ent-
werfen" u. s. w. kennzeichnen seinen
Standpunct deutlich. Es arbeitete mit
aller Kraft auf dieRep ublik los. Aber es erschien nicht länger als dritthalb Mo»
nate. Hazay selbst trat, als der Kampf
begann, in den Landsturm ein und kämpfte
in den Reihen der Insurrectionsarmee.
Als die Ungarn überall geschlagen wor«
den, flüchtete sich auch H., und soll, nach
Einigen über Wien in's Ausland geflo«
hen, nach Anderen mit Kmety auf tür<
kisches Gebiet über« und in die ottoma»
nische Armee eingetreten sein. I n dieser
machte er als Major unter Omer
Pascha den Krimfeldzug mit und kehrte
mit zwei militänschenDecorationen, nach»
dem es ihm gelungen war, die Amnestie
zu erlangen, 1838 nach Temesvär zurück,
wo er sich mit seinem Vater, der Buch»
druckereibcsitzer ist, affocirte. Am 26. Sep-
tember 1869 wurde er aber nach dem
Leichenbegängnisse des Advocaten Pau-
lo v ich mit mehreren Anderen plötzlich
verhaftet. Ueber seine weiteren Geschicke
liegt nichts vor.
Gratzer Telegraph 1860, Nr. 22a. —
Leuitschnigg (Heinrich Nitter von), Kos»
suth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus
dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850,
Heckenast). Bd. I I , S. 2öi.
Christian Friedrich (deut.
scher Dichter, geb. zu Wesselburen
im Dithmar'schen am 18. März 1813.
nach Anderen 1813), Seit 1846 in Wien
ansäßig, wo er den größeren Theil seiner
bisher bekannt gewordenen Dichtungen
schuf, gebührt ihm eine Stelle in diesem
Lexikon. Sohn dithmarfischer Bauers-
leute, welche in knappen Verhältnissen
lebten; der Vater, ein strenger, religiöser
und arbeitsamer Mann. erzog seine beiden
Söhne in alttestamentarischer Weise; nur
geistliche Lieder dursten im Hause ge°
sungen, nur die Postille gelesen und nur
leise gesprochen, nie laut gelacht werden.
Die Mutter schien es wieder gewesen zu
sein, wie dieß bei den meisten großen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hartmann-Heyser, Volume 8
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hartmann-Heyser
- Volume
- 8
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1862
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 514
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon