Page - 398 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Hibler-Hysel, Volume 9
Image of the Page - 398 -
Text of the Page - 398 -
Hübner 398 Hübner
Geist des Jahrhunderts"; — „Ueber das
Mönchswesen" u. dgl. m. Auch mehrere
schöngeistige Arbeiten, u. z. Schauspiele:
,Hainz von Stein" (1782). „Tankred".
„Camma, die Heldin Bojoariens" (4784)
u. dgl. m., erschienen in dieser Zeit. I n
allen diesen Schriften offenbart sich ein
heller freier Geist, ein scharfsinniger Den>
ker. der sich seinen Freimuth durch nichts
verkümmern ließ. Aber eben dieser Frei-
muth verkümmerte Anderen ihr Dasein,
denn seine Feinde mehrten sich und bald
ward H. der Aufenthalt in München ver
leidet. I n dieser Lage wendete er sich
1783 an den hochsinnigen lind aufgeklär
ten Erzbischof Hieronymus Collo»
redo von Sa lzburg , mit der Bitte,
ihm die Herausgabe der dortigen, einer
Umgestaltung und Verbesserung sehr be-
dürfenden Zeitung nebst deren Selbstver-
lag zu gewähren. Unter Vermittelung
des um die Salzburger Kirchenverfaffung
vielverdienten Consistorialkanzlers Mich.
Boenicke, des HaupturheberS der be«
rühmten Einser Punctation, erhielt H.
Gewährung seiner Bitten in einer für
ihn sehr ehrenvollen Weise und über<
siedelte noch in demselben Jahre nach
Salzburg. Daselbst begann er nun mit
Anfang deS Jahres 1784 die Heraus»
gäbe der „Oberteutschen Staatszeitung",
mit welcher in Verbindung das „Salz-
burger Intclligenzblatt", die „Monat»
lichen gelehrten Beiträge zur Literatur
Oberösterreichs" (in 4".) und seit 1791
an Stelleder letzteren das „Räsonnirende
Magazin des Wichtigsten aus der Zeit-
geschichte" herauskamen. Bis 1799 gab
er die genannten Zeitschriften zu Salz.
bürg heraus. Die „Staatszeitung" fand
allgemein Beifall und wurde ihres frei'
sinnigen Tones wegen in Bayern, wo
Karl Theodor damals das Regiment
der Dunkelmänner unterstützte, verboten. Die Münchener gingen taglich Prozes«
sionsweise in das eine Stunde entlegene
freising'sche Dorfchen Wöhring, um die
„Salzburger Staatszeitung" zu lesen.
Die Erfolge, welche H. mit seiner Zeitung
erreichte, können nicht hoch genug gestellt
werden. Mit diesem Blatte wirkte er für
die Aufklärung und Bildung des katho«
tischen Deutschland mehr, als irgend ein
anderes wissenschaftlich es Institut. Die
Annäherung und allmälige Vereinigung
der katholischen und protestantischen Ge<
lehrten zu einem und demselben erha«
bmen Zwecke, zur Verbreitung wahrer
rein christlicher Humanität und nationaler
Cultur im ganzen gemeinsamen, deutschen
Vaterlande, unverkümmert durch religiöse
Meinungsverschiedenheit und angemaßte
Geistesüberlegenheit, dieses glückliche und
gesegnete Beginnen verdankte man vor
80 Jahren Hübner und seinem Blatte.
Wie weit sind wir acht Iahrzehende später
zurückgegangen! Bis zum Jahre 1799
entfaltete H. diese segensvolle Wirksamkeit
in Salzburg (seine übrigen, Salzburg be«
treffenden Werke folgen weiter unten), als
ihn der geistvolle Churfürst Max imi»
l ian IV. wieder nach München berief,
wo für die geistige Entwickelung Bayerns
eine neue Zeit auftauchte. I n München
wirkte er als rastlos thätiger Publizist, mit
mannigfachen Ehren ausgezeichnet, noch
einige Jahre, bis er plötzlich zu kränkeln
beginnend, ganz unerwartet im Alter von
34 Jahren starb. Während seines Aufent-
Haltes in Salzburg veröffentlichte H.
noch mehrere theils diese Stadt betref«
fende, theils andere Schriften, welche
hres Druckortes Salzburg wegen hier
angeführt werden müssen. Es sind fol-
gende: „Snm traurigen Angedenken der Ueber-
gchmemmungrn einiger Gegenden Gberteutgch-
lllnt>5 im Juni" (Salzburg 1786. 8".); —
ant dnH Gran Friedrich des
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Hibler-Hysel, Volume 9
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Hibler-Hysel
- Volume
- 9
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 518
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon