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Jünger 308 Zunger
prügeln und allerlei dergleichen Rohheiten und
Gewaltthätigkeiten begehen, die aber doch
z. B. wenn sie sich ein Haarbeutelchen ange
trunken, ihre schwache Stunde haben, senti>
mental werden, und
sich so zu sagen um die
Finger wickeln lassen; ferner gewöhnlich zwei
Liebespaare, deren eines aus einem jugendll
chen Brausekopfe und einem sanften nachgie,
bigen Mädchen, das, wie es scheint, nicht bis
drei zählen kann, aber ohne viel Skrupel ihren
Courmacher auf Strickleitern in's Schlafzim.
mer steigen läßt, und deren anderes dagegen
aus einem schüchternen, sehr Modesten Jung
linge und einem gar muthwilligen Dämchen
besteht, die sich auch vor dem bärbeißigen
Vater oder Vormund nicht im Geringsten
fürchtet, sondern ihm schmeichelnd um den
Bart zu gehen weiß; dann auch ein paar stark
schon den Vierzigen zuneigende Junggesellen,
die mit ihrer Medisance und Blasirtheit sich
brüsten, aber zuletzt die frischesten Mädchen
zu Frauen bekommen und den alten faden
Gecken ausstechen, welcher seinem antiquirten
Aeußeren durch Toilettenkünste und Modenarr«
heiten den Schein der Jugendlichkeit zu geben
versucht, der sich wunderwie klug dünkt und
dem weiblichen Geschlechte unwiderstehlich zu
sein meint, während er allgemein für einen
Strohkopf anerkannt wird und die Frauen ihn
insgesammt zum Besten haben — das sind so
ziemlich vollzählig nebeneinander die Figuren,
welche in Jünger's und Bretzner's Lust«
spielen vor uns erscheinen und es ist, wie man
aus diesem Verzeichnisse abnehmen kann. fast
keine einzige darunter, an der man seine rechte
Freude hat. Am liebenswürdigsten mag noch
die Soubrette sein, jenes lustige Mädchen,
welches durch Klugheit und guten Muth die
Verwicklungen zuletzt zu lösen versteht; in»
dessen ihre Naivität ist doch auch nur eine ge»
machte, und ihr Witz wird oft unziemlich,
oder wenigstens sie hört unpassende Scherze
aus dem Munde der Herren an, ohne zu errö«
then. Mit Einem Worte: Es ist in diesen
Lustspielen von ästhetischer Feinheit, von sitt«
lichem Zartgefühl sehr wenig die Rede und der
Geist, der darin waltet, ist ohne idealen Anhauch.
Nicht vergessen darf aber werden, daß Iün»
ger allenthalben in höherem Grade als Breh«
ner. das Maß beobachtete und immer der fei<
nere Mann blieb. Seine Sprache, wiewohl
ohne Poesie, wird doch niemals eigentlich roh
und gemein; und im Ganzen genommen, ist
anzuerkennen, daß das feinere Wesen seiner
Lustspiele mit dazu beigetragen hat.
v. Wurzbach, biogr. Lexiton. X. unsere BühnewLiteratur aus den steifen Formen und
Fesseln der Zopfzeit zu erlösen. Während di
Geister ersten Ranges sich gegen die Comödi
spröde verhielten und sie nicht cultivirten,
mußte man froh sein, daß wenigstens Dichter
zweiten und dritten Ranges, wieKotzebue,
I f f land, Jünger u. A. auf diesem Gebiete
sich fruchtbar erwiesen. Von Jünger's Stü«
cken der besseren Art sind außer der Entführung
noch zu nennen: Das Ehepaar aus der Pro«
vinz, Die unvermuthete Wendung, Der Ton
unserer Zeiten, Er mengt sich in Alles. Er hat
mit diesen Lustspielen auf spätere Autoren, wie
Töpfer, B lum, A lb in i . Angely u. A.
zum Theile sehr wahrnehmbar eingewirkt."
Iüllger,Vincenz (General-Major
und Maria Theresien-Ordensritter, geb.
zu Szscseny im Neutiaer Comitate
Ungarns 1761, gest. zu Oberdöbling
bei Wien 17. Mai 1834). Trat im Jahre
1779. 18 Jahre alt, in das 4. Huszaren»
Regiment, damals Freiherr von Graeven,
in welchem er bis 1794 zum Rittmeister
vorrückte. Am 19. Juni 1804 wurde er
zum Major und Anfangs Mai des fol>
genden Jahres zum Oberstlieutenant
befördert. Im Jahre 1812 zum Obersten
im 1. Huszaren'Regimente ernannt, trat
er nach beendigten Befreiungskriegen fei«
ner Wunden halber als General-Major
in den Ruhestand. Jünger hat in den
Feldzügen, die er von 1779 bis 1813
mitgemacht, vielfach Beweise von Nner«
schrockenheit und hoher Tapferkeit gege«
ben. Vor der Schlacht bei Hohenlinden
(3.December 1800) hatte er
sich bei Hanau
daS Ritterkreuz des Maria Theresien«
Ordens erkämpft. Mit nur einer Schwa»
dron hatte er die feindliche, von sechs
Kanonen gedeckte Infanterielinie ent«
schloffen angegriffen, durchbrochen, zer-
streut und sämmtliche Kanonen genommen.
Wenige Tage darauf erhielt er in der 63.
Promotion, außer Capitel, die erwähnte
Auszeichnung. Im Jahre 1803 mit seinen
Huszaren in der Brigade Nostiz einge«
lGeor. ». Juni 1863.) 20
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Jablonowski-Karolina, Volume 10
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Jablonowski-Karolina
- Volume
- 10
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1863
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 524
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon