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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10
Seite - 305 -
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Seite - 305 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Jablonowski-Karolina, Band 10

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Jünger 308 Zunger prügeln und allerlei dergleichen Rohheiten und Gewaltthätigkeiten begehen, die aber doch z. B. wenn sie sich ein Haarbeutelchen ange trunken, ihre schwache Stunde haben, senti> mental werden, und sich so zu sagen um die Finger wickeln lassen; ferner gewöhnlich zwei Liebespaare, deren eines aus einem jugendll chen Brausekopfe und einem sanften nachgie, bigen Mädchen, das, wie es scheint, nicht bis drei zählen kann, aber ohne viel Skrupel ihren Courmacher auf Strickleitern in's Schlafzim. mer steigen läßt, und deren anderes dagegen aus einem schüchternen, sehr Modesten Jung linge und einem gar muthwilligen Dämchen besteht, die sich auch vor dem bärbeißigen Vater oder Vormund nicht im Geringsten fürchtet, sondern ihm schmeichelnd um den Bart zu gehen weiß; dann auch ein paar stark schon den Vierzigen zuneigende Junggesellen, die mit ihrer Medisance und Blasirtheit sich brüsten, aber zuletzt die frischesten Mädchen zu Frauen bekommen und den alten faden Gecken ausstechen, welcher seinem antiquirten Aeußeren durch Toilettenkünste und Modenarr« heiten den Schein der Jugendlichkeit zu geben versucht, der sich wunderwie klug dünkt und dem weiblichen Geschlechte unwiderstehlich zu sein meint, während er allgemein für einen Strohkopf anerkannt wird und die Frauen ihn insgesammt zum Besten haben — das sind so ziemlich vollzählig nebeneinander die Figuren, welche in Jünger's und Bretzner's Lust« spielen vor uns erscheinen und es ist, wie man aus diesem Verzeichnisse abnehmen kann. fast keine einzige darunter, an der man seine rechte Freude hat. Am liebenswürdigsten mag noch die Soubrette sein, jenes lustige Mädchen, welches durch Klugheit und guten Muth die Verwicklungen zuletzt zu lösen versteht; in» dessen ihre Naivität ist doch auch nur eine ge» machte, und ihr Witz wird oft unziemlich, oder wenigstens sie hört unpassende Scherze aus dem Munde der Herren an, ohne zu errö« then. Mit Einem Worte: Es ist in diesen Lustspielen von ästhetischer Feinheit, von sitt« lichem Zartgefühl sehr wenig die Rede und der Geist, der darin waltet, ist ohne idealen Anhauch. Nicht vergessen darf aber werden, daß Iün» ger allenthalben in höherem Grade als Breh« ner. das Maß beobachtete und immer der fei< nere Mann blieb. Seine Sprache, wiewohl ohne Poesie, wird doch niemals eigentlich roh und gemein; und im Ganzen genommen, ist anzuerkennen, daß das feinere Wesen seiner Lustspiele mit dazu beigetragen hat. v. Wurzbach, biogr. Lexiton. X. unsere BühnewLiteratur aus den steifen Formen und Fesseln der Zopfzeit zu erlösen. Während di Geister ersten Ranges sich gegen die Comödi spröde verhielten und sie nicht cultivirten, mußte man froh sein, daß wenigstens Dichter zweiten und dritten Ranges, wieKotzebue, I f f land, Jünger u. A. auf diesem Gebiete sich fruchtbar erwiesen. Von Jünger's Stü« cken der besseren Art sind außer der Entführung noch zu nennen: Das Ehepaar aus der Pro« vinz, Die unvermuthete Wendung, Der Ton unserer Zeiten, Er mengt sich in Alles. Er hat mit diesen Lustspielen auf spätere Autoren, wie Töpfer, B lum, A lb in i . Angely u. A. zum Theile sehr wahrnehmbar eingewirkt." Iüllger,Vincenz (General-Major und Maria Theresien-Ordensritter, geb. zu Szscseny im Neutiaer Comitate Ungarns 1761, gest. zu Oberdöbling bei Wien 17. Mai 1834). Trat im Jahre 1779. 18 Jahre alt, in das 4. Huszaren» Regiment, damals Freiherr von Graeven, in welchem er bis 1794 zum Rittmeister vorrückte. Am 19. Juni 1804 wurde er zum Major und Anfangs Mai des fol> genden Jahres zum Oberstlieutenant befördert. Im Jahre 1812 zum Obersten im 1. Huszaren'Regimente ernannt, trat er nach beendigten Befreiungskriegen fei« ner Wunden halber als General-Major in den Ruhestand. Jünger hat in den Feldzügen, die er von 1779 bis 1813 mitgemacht, vielfach Beweise von Nner« schrockenheit und hoher Tapferkeit gege« ben. Vor der Schlacht bei Hohenlinden (3.December 1800) hatte er sich bei Hanau daS Ritterkreuz des Maria Theresien« Ordens erkämpft. Mit nur einer Schwa» dron hatte er die feindliche, von sechs Kanonen gedeckte Infanterielinie ent« schloffen angegriffen, durchbrochen, zer- streut und sämmtliche Kanonen genommen. Wenige Tage darauf erhielt er in der 63. Promotion, außer Capitel, die erwähnte Auszeichnung. Im Jahre 1803 mit seinen Huszaren in der Brigade Nostiz einge« lGeor. ». Juni 1863.) 20
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Jablonowski-Karolina, Band 10
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Jablonowski-Karolina
Band
10
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1863
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
524
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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