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Tropfen deü Morgenthau's. der. an einer
Vlume hängend, rein den Himmel wieder-
spiegelt. So leuchte, verklärter Geist, deinem
Volke! War auch Theodor Körner, dein
Kranz, wenn dazu nur des Dichtrrs Lorber
die Blätter hätte gebcn sollen, nicht so voll
und schwer, wie er auf den Häuptern der
großen Dichtergenien unseres Volkes ruht. Ger«
mania brach reichlich Laub von ihrer Eiche
und flocht es deinen Lorbern hinzu! Und
glaubt es, kein Dichterkranz grünt ewig, wenn
nicht das Vaterland, seine Freiheit und seine
Größe ein Reis mit hinzugefügt! Dante trug
um seine Schläfen die Cypressenzweige Ita-
lia's; Shakespeare's unsterbliches Dichierwap-
pen führt in seinem Felde Rose und Distel,
die Blumen Britannia's. Für die Knechte gib!
es keine Sonnen! Auch die Kunst verlangt
ein Vaterland!"— ThadoäuSLau schreibt
in seiner literar.histonschen Studie: „Der Tor-
täus der deutschen Freiheitskriege" über Kör»
ner den Dichter- „Eine verständige Kritik
hat sich lediglich an die Lieferungen zu halten,
welche von dem Dichter vorliegen. Körner's
Talent war nn leichtes und leichtfertiges;
seine Fruchtbarkeit ist erstaunlich. Alö Dra» !
matiker kommt ihm, eine gewisse formelle Fer>
tigkeit abgerechnet, die in seinen sämmtlichen
Bühnenarbeiten nicht verkannt werden kann.
nur geringe Bedeutung zu. Seine komischen
Stücke verarbeitete er nach Anekdoten, die er
gelesen hatte, oder nach Vorfällen, die ihm
selbst begegnet waren; die Komik in ihnen
ist bloß äußerliche Situationskomik und anck«
dotische Drolligkeit, der jede tiefere B?dru< >
tung fehlt. In den ernsteren Dichtungen schloß !
rr sich oft bis zur Täuschung an das praftisckc
Echauffement Schiller's an, nur daß er bri
weitem rhetorischer und bei weitem ärmer an
neuen und tiefen Gedanken ist. Selbst sein
relativ bestes Drama „Zriny" athmrt meist
eine kriegerische Begeisterung. Aber Körnrr'ü
Bedeutung liegt auch keineswegs in seinen
Dramen, welche die ästhetische Kritik immer«
hin bemängeln mag. Körner's Bedeutung liegt
einmal in dem lauteren, ächten Adel seiner
Gesinnung, in der feurigen hinreißenden Gluth
seines Patriotismus, liegt in der mannhaften
That, mit welcher er bis zum freiwilligen
Opfertode für die höchsten Güter seines Volkes
einstand. Andere Tausende folgten mit gleicher
Begeisterung dein Rufe zu den Fahnen, aber
nur Wenige habrn so viel geopfert und vcr<
lassen, als von Theodor Körner geopfert und
gelassen wurde. Das ist seine Bedeutung alö deutscher Mann, als de t^schcr Patriot. Seine
Bedeutung zweitens als deutscher Dichter
haben wir in dem hohrn sittlichen Ernst und
Gehalt, in dem Alles bewältigenden, zünden-
den Schwung seiner herrlichen, von keinem
der zahlreichen Conrurrenten unter den Sän-
gern des Freiheitskrieges erreichten Lieder
zu suchen. Körner'S Gedichte lagen allerdings
den Landwehrmännern aus Preußen, Pom<
mern. Schlesien zu hoch; in den Kreisen wur'
den ganz andere Spott» und Schelmenlieder
auf Napoleon und dic Franzosen gesungen.
Aber für die Edelsten und Besten, für die Ge'
bildeten seiner Nation waren Körner's Lieder
berechnet und deren Gefühle und Empfindungen
haben sie in einer Weise ausgesprochen, theils
wachgerufen, wie das keinem andern Dichter
der Epoche gelungen ist." — Heinrich Laube
in seiner „Geschichte der deutschen Literatur"
iBd, I I I , S. 206) gibt um der vaterländischen
Lieder willen Körner'n eine Stelle unter den
Dichtern der romantischen Schule, obwohl er
nichts mit ihneu gemein hat, sondern durchaus
eine jugendliche Nachahmung Schiller's ist.
„Die Schauspiele „Zriny", „Nosamunde",
„Hedwig" sind aber nicht das Moment, um
welches sich die enthusiastische Theilnahme für
Körner gruppirt hat. sondern die Vaterlands-
liedcr sind es, soin „Das Volk steht auf". —
„Ahnungsgrauend, todesmuthi^", — „Du
Schwert an meiner Linken", kurz, sein „Leier
und Schwert", eine Sammlung diesrr Lieder,
sein Muth, seine Begeisterung, sein schöner
Rcitertod.dirß romantische „Morgenroth", was
ihm „zum frühen Tode leuchtete", dieß däm»
mrrnde, hüpfende und tönende Iugendleben,
- dieß Alles ist'5, was ihn zu einem ritterlichen
Lieblinge unscrer Nation gemacht hat. Diefe
ritterliche Gesinnung, diese liebenswürdige
Person muß auch vor Allem in Anrechnung
gebracht werden, wenn von einer Würdigung
Körnrr'6 die Rlde ist. Hatte er auch nicht die
Tiefe und Zinnigkeit der Scheukendorf
mit ihren Vorzügen und Abwegen, an Feuer
übertraf rr sie alle und seine Lieder stiegen
auf und wirkten wie fliegende Gewitter, . . .
Seine „Toni", sein „Nachtwächter" und „Grü«
ner Domino" zeigten, daß er auch für die leich»
tcre dramatische Unterhaltung flüssiges Ge»
schick habe." — Wolfgang Menzcl in sei«
nrm Werke: „Die deutsche Literatur" (Stutt-
gart 1836. Hallberger. k«.) Zweite vermehrte
Auflage, Bd. IV, S. 1?9. vindiärt K.'n den
Nuhm, zuerst und am lautesten den feier»
lichen Kriegsgelang angestimmt zu haben,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon