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Kollar 329 Koliar
?-H«, d. i. Beschreibung einer Reise
durch Oberitalien und von dort über
Tirol und Bayern mit besonderem Hin«
blick auf slavische Febenselemente. Mit
Beilagen und Kupferstichen, sowie einem
Lexikon slavischer Maler und Kupferstecher
aller Stämme seit den ältesten Zeiten bis
auf die Gegenwart (Pesth 1843, Trattner,
d. i. Das slavische Alt-Italien, oder Ent-
deckungen und Beweise slavischer Lebens-
elemente in der Erdbeschreibung, der
Geschichte, den Mythen, vornehmlich aber
in der Sprache und Literatur der ältesten
italienischen und benachbarten Volks«
stamme (Wien 1833, gr, 4"., mit24lith.
Taf. in gr. Fol.). Eine Auswahl seiner
Schriften erschien in neuester Zeit unter
d. Tit.: »5Mz/ ^<2na Xo??«?'<2") 4 Thle.
(Prag 1862 und 4863, Kober, kl. 8".).
In Kollä.r'6 Kirchenreden wie in seinen
Dichtungen tritt immer wieder die natio»
nal'politische Tendenz, jedoch ohne gerade
zu verletzen, lebendig hervor. Es galt ihm,
durch das Wort Gottes, wie durch die
geflügelten Worte seiner Seele eine Nation
zu stärken, die zwischen zwei anderen, an
Geist und Gütern weit überlegenen, der
deutschen und magyarischen, einer solchen
Kräftigung aus dem Munde ihres Prophe«
ten, als der ihr Kol lar bald erschien,
dringend bedürfte. Als Dichter blieb er
im Anbeginn unbemerkt, seine Gedichte
als Liebesdichtungen ließen keinen tiefern
Hintergrund ahnen, und der Umstand,
daß er der böhmischen Schriftsprache
die Eigenthümlichkeiten der slovakischen' Mundart beimischte, war ihm, wenigstens
bci öechischen Lesern, wenig förderlich.
Später als man den tiefangelegten, wenn
auch etwas schwülstigen und eben deßhalb
den reinen Kunstgenuß am Ganzen etwas
verkümmernden Grundgedanken erfaßt
hatte, begann man das Werk zu wür»
digen und es nahm bald einen Ehren-
platz unter dm sparsam gesäeten größeren
Nationaldichtungen der Slaven ein. Die
von ihm selbst in deutscher Sprache heraus«
gegebene Schrift: „Neber die literarische
Wechselseitigkeit zwischen den verschiedenen
Stämmen und Mundarten der slavischen
Nation" fand auch bei dem deutschen
Publicum eine gerechte und anerkennende
Würdigung. Seine archäologischen For-
schungen sind nur, soweit er auf der rech«
ten Fährte bleibt, ein Gewinn für die
Wissenschaft,- wie er von derselben sich
verirrt, geräth er in das Gebiet des Fa>
belns und der komischesten Conjuncturen,
bei denen ihm oft fein poetischer Genius
einen losen Streich spielt. Sein Werk,
von den Deutschen nicht verstanden, wurde
von der slavischen Kritik selbst scharf ge>
geißelt und wurden von derselben seine
sogenannten Entdeckungen in's Reich der
Fabel verwiesen. Wahrend er über seine
in Mecklenburg angestellten Untersuchun«
gen die Ergebnisse in einem besonderen,
aber unvollendet gebliebenen Werke: „Die
Götter zu Rhetra" ordnete und zur Her»
ausgäbe vorbereitete, ereilte ihn im Alter
von 89 Jahren der Tod. Es ist dasselbe
in Handschrist zurückgeblieben. K. war
Mitglied von mehreren gelehrten Gesell»
schaften und überdieß für seine Verdienste
mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeich.
net. Urtheile über seine Dichtung «slav?
ällora«, ferner Näheres über sein Grab«
mal u. dgl. m. siehe
unten in den Quellen.
!.. Slavische (Quellen. 6k8nl lc, d. i. Zett-
buch (Kalender), herausgegeben von Daniel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon