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maffen besonders hervor. Kaltblütig tra
er an beiden Schlachttagen die Anstalten
die ebenso hohen Muth als Einsich,
bewiesen. Wo die Gefahr am größten
war, war er dabei. Stets an der Spitze
der Truppen, eiferte er durch sein eigenes
Beispiel die Regimenter in dem Grade
an, daß alle feindlichen Stürme abge»
schlagen werden konnten. So erfuhr er
denn auch die Auszeichnung, auf dem
Schlachtfelde mit dem Ritterkreuze des
Maria Theresien«Ordens geschmückt und
außer seinem Range zum Gmeral.Major
befördert zu werden. Auch berief ihn der
Generalissimus Erzherzog Kar l unmit
telbar an seine Seite und beehrte ihn mit
den wichtigsten Auftragen. Nach dem
Abschlüsse des Wiener Friedens befehligte
K. eine Brigade in Böhmen und in diese
Periode fällt sein eifriges Studium der
Staatswissenschaften, das ihn auf dem
Parquete eine ebenso glänzende Rolle
spielen ließ, wie er vordem auf dem
Schlachtfelde gespielt. Zu Anbeginn der
Befreiungskriege zum Feldmarschall-Lieu»
tenant befördert, erfolgte im August
1813 seine Berufung in das Hoflager
und seine Zutheilung als erster General'
adjutant bei dem Feldmarschall Fürst
Schwärzend erg. Seitdem hatte er
eine Reihe der ehrenvollsten Aufträge
auszuführen. Des einen historisch interes.
santen sei hier besonders gedacht: Kol>
ler war einer der Commissarien, welche
1814 Napoleon nach Elba begleiteten.
Seine Rechtlichkeit und Freimüthigkeit
einerseits wie sein feines und tactvolles
Benehmen andererseits gewannen ihm
das Vertrauen des abgesetzten Kaisers,
den er bei der Reise durch die südlichen
Departements vor den Mißhandlungen
eines von fanatischen Priestern und räche-
brütenden Ultra's aufgereizten Pöbels
schützte. Er bewahrte den Ueberrock des gestürzten Helden, der, um nicht erkannt zu
werden, denselben mit Koller's Gene«
ralsuniform vertauscht hatte, als Anden»
ken. Nach seiner Rückkehr vollzog K. den
von Napoleon aufElba erhaltenen Auf.
trag, mit Genua im Namen des neuen
Herrschers eine Handelsverbindung zu
Gunsten der Insel abzuschließen. Dieses
Verhalten Koller's verdient um so
größere Würdigung, da in jener Zeit
voll aufgeregter Leidenschaften und ein-
seitiger Ansichten bei Vielen die Stimme
der Mäßigung und des Edelmuthes ganz
verklungen zu sein schien. ^Vergleiche
übrigens die Quellens Nach der Rück»
kehr von seiner Sendung (Juni 1814)
begleitete er den Kaiser von Rußland
und den König von Preußen, sowie die
Erzherzoge Johann und Ludwig nach
London und auf ihrer Reise durch Eng»
land. Unmittelbar darauf erhielt er die
Sendung nach St. Petersburg, um den
Kaiser von Rußland zum Congreffe nach
Wien einzuladen. Auch war er es, der
den Kaiser A lexander im Namen
seines Monarchen an der Grenze von
Galizien empfing und nach Wien ge«
leitete. Im Jahre 1813 erhielt K. die
Bestimmung als Gmeral»Intendant bei
der nach Neapel vorrückenden österreichi«
schen Armee und zugleich ausgedehnte
VollmachtzurOrdnung und Ausgleichung
mehrseitiger finanzieller Verhältnisse, in
denen sich Oesterreich zu verschiedenen
Staaten Italiens befand. K. bewährte
n Abwicklung dieser mitunter schwierigen
Angelegenheiten seine längst erprobte
Umsicht; traf die zweckmäßigsten Ein»
leitungen, damit einerseits die Armee mit
den von ihr beanspruchten Erfordernissen
rasch und reichlich versehen, und anderer»
'eits das besetzte Land nicht unnöthiger
Weise oder doch zu empfindlich belastet
werde. Rechtlichkeit und Unparteilichkeit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon