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Flammen übergeben. Unter diesen Verhall-
nisten kam das Jahr 4840 heran. Da ließ
crsich von der lebhaften Schilderung eines
ungarischen Pußtadorfes so sehr hin-
reißen, daß er die Stelle, die ihn nährte,
aufgab und mit seinen Ersparnissen auf
einem Dampfschiffe die Donau hinab-
schwamm, um sich mitten in Alföld. jener
Tiefebene, die so viel des eigenthümlichsten
Lebens enthalt, ftr einige Zeit häuslich
niederzulassen. Erst die beginnende Ebbe
seiner Barschaft mahntc ihn an den
Rückzug. Auch drängte es ihn, seine
Studien fortzusetzen. Als er in Preßburg
ankam, wo damals Adolph Ne ustadt
die „Preßburger Zeitung" und das mit
ihr verbundene belletristische Beiblatt
„Pannonia" redigirte, und einen Kreis
tüchtiger Fortschrittsmänner, die daselbst
von den Censurplackereien weniger ge«
quält waren, um sich versammelte, schlug
K., der sich mit Neustadt und mehreren
seiner Mitarbeiter befreundet hatte, einst-
weilen dort seinen neuen Wohnsitz auf und
fand sich bald so behaglich, daß er vor
der Hand in Preßburg seinen bleibenden
Aufenthalt nahm. Eine in Szegedin fertig
gewordene Arbeit, betitelt „Pußtabilder",
wurde von Neustadt in seiner Zeitung
aufgenommen, und mit derselben betrat
K. zum ersten Male die Oeffentlichkeit.
Der Erfolg war ein günstiger; die unga-
rische Zeitschrift „Listkspek", d. i. Zeit-
bilder, brachte bald eine Uebersetzung
dieser in der „Pannonia" mitgetheilten
Skizze. Den Pußtabildern folgte eine
Novelle: „Die Heineanerin"; auch trat
K< mit dem damals so beliebten Wiener
Wochenblatt: „Die Sonntagsblatter",
welches Dr. L. A. Frank l redigirte, in
Verbindung und diese brachten seinen
Aufsatz über Wal len st ein's Gebeine
in Mknchengratz. Das Feld der Schrift,
stellerei war einmal betreten und K. arbeitete fleißig; er schrieb Gedichte, Thea»
ierkritiken, ungarische Skizzen, Novelletten
u. dgl. m. „Die Grabschrift auf ein
Pferd" erregte größere Aufmerksamkeit
und war die Veranlassung, daß ihn
Georg GrafAndrassy kennenlernte.
Kompertgab nun die Studien auf und
ging als Lehrer in das grafliche Haus
nach Hossuräth im Gömörer Comitate.
Das war 1843. Wie sein Biograph
Neustadt bemerkt: „Aus der München-
gratzer „Gasse", von der Entbehrung hin-
weg in das Schloß eines einflußreichen,
mächtigen Magnaten zu kommen, ist keine
kleine Wandlung". Er wurde bald der
Liebling der Herrschaft, der geehrte
Erzieher des jungen Grafen und wurde
ihm schon nach Jahresfrist der zugesagte
Iahrgchalt, ohne daß er selbst ein Ver>
langen gestellt hätte, auf das Doppelte
erhöht. I n dieser angenehmen und ihn
geistig so fördernden Stellung hatte er
Muße genug, sich in sein Inneres zu ver»
tiefen, und damals begann er jene Ge-
schichte zu schreiben, die ihm später einen
in der Literatur so geachteten Namen und
so viele Freunde erworben. Den Winter
4846 auf 1847 verlebte K. mit der gras-
liehen Familie in Wien. Da traf ihn
Ende Juli 1847 die Trauerbotschaft von
dem Tode seiner Mutter. DerDrang. die
zum zweitenMale unterbrochenen Studien
fortzusetzen, erwachte in ihm von Neuem
und, sein Verhältniß im graflichen Hause
lösend, begab er sich nach Wien, um dort
die Medicin zu studiren. Das Jahr 1843
vereitelte diesen Plan. Die Journalistik,
welche einen ungeahnten Aufschwung
nahm, gewann anK. eine achtbare Kraft;
Ende 1848 übernahm er die Redaction
des Feuilletons des „Oesterreichischen
Lloyd", dieses nach so mannigfaltigen
Wandelungen noch heute als „Constitu«
tionelle österreichische Zeitung" bestehenden
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Klácel-Korzistka, Volume 12
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Klácel-Korzistka
- Volume
- 12
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 528
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon